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15.12.2009
Verwöhnung der Sinne – Großartiges Adventskonzert in der Stadtkirche Pößneck

Zum Adventskonzert am Sonntagabend in der Pößnecker Stadtkirche begrüßte Pfarrer Jörg Reichmann den Chor der hiesigen Kantorei unter der Leitung von Kantor Hartmut Siebmanns und das Reußische Kammerorchester Gera sowie über 200 Zuhörer. Dem Theater & Philharmonie Thüringen, dem das Kammerorchester gehört, liegt es am Herzen, thüringische Musiktraditionen fortzusetzen und dieses letzte Mehrspartentheater Thüringens sucht an Vielfältigkeit seinesgleichen. So konnten die Gäste in der Stadtkirche auch dieses Mal auf einen musikalischen Abend der Extraklasse hoffen.

Auftakt bildete das "Gloria" von Antonio Vivaldi, der lieber Musiker als Priester war (1678-1741). Das bekannte Stück lässt als geistliche Vokalmusik deutlich werden, dass Vivaldi vor allem Werke der Kirchenmusik von höchstem künstlerischen Rang geschaffen hat. In diesem kantatenartig angelegten Werk wechseln sich lebhafte und leidenschaftliche Sätze mit ruhigen, nachdenklichen und festlichen Weisen ab. Die Klangfarben von wiegend bis ausdrucksvoll und detailreich ergaben einen vielfältigen Kontrast, ohne unruhig zu wirken. Die Zuhörer konnten sich von der Musik getragen fühlen und Zusammenspiel der Violinen, Violoncello und des Kontrabasses sowie der Oboe mit dem Chor und der Orgel bzw. Cembalo genießen. Die Stimmgewalt der Männer und Frauen des Chores beeindruckte und wurde dezent von den Streichern und der Organistin Brit Reinisch begleitet.

Die Sängerinnen der Oper Erfurt, Utta Meyer (Alt) und Sieglinde Coudert (Sopran), sangen als Duett und auch in Solo-Arien in besonderer Weise von der Liebe zu Gott, Vergebung und Frieden auf Erden. Am Ende bestach der Choral der Kantorei durch seine kraftvolle Ausdrucksweise in beschwingter Form und auch mit leisen Tönen sowie im perfekten Spiel mit den Bläsern und Streichern des Orchesters.

Die klassische Kost von Joseph Haydn (1732-1809) mit dem Konzert für Orgel und Orchester C-Dur XIV-12 wurde von Konzertleiter Siebmanns als Organist selbst gespielt, so dass das Ensemble aus Streichern und Cembalo auch ohne Taktstock sein musikalisches Können präsentierte. Das Orgelpositiv führt in diesem Werk deutlich in seiner Aussage und wirkt verspielt mit auf- und absteigenden Tönen im wechselnden Tempo, in denen sich die Streicher gekonnt einbringen und das Thema detailreich aufnehmen und stützen.

Das zur Verwöhnung der Sinne präsentierte Werk des Kirchenkomponisten Gottfried August Homilius (1714-1785) ist in seiner Gestaltung sehr anspruchsvoll. Bachs bester Schüler hat mit einer ungewöhnlich großen Instrumentenzahl (Bläser, Streicher, Pauke, Orgel/Cembalo) den Text des in jener Zeit so beliebten Hirtensujets auf sehr vielfältige Weise vertont. Der differenzierte Einsatz von Orchester, Chor und Solisten zeichnet jeden Satz mit einer anderen Stimmung der Weihnachtsgeschichte aus Sicht der Hirten von Bethlehem. Dazu zählen Hirtenmusiken ebenso wie der als Repräsentant des mächtigen Gottes mit Trompeten und Pauken auftretende Engel. Dieser abwechslungsreiche Charakter der in Vergessenheit geratenen Weihnachtsmusik Homilius´ war ein echter Ohrenschmaus. Das dacapo-haltige Werk verlangt viel Ausdauer. Das Auf und Ab der Töne und unterschiedlichste Tempi fordert von Sängern und Musikern hohe Leistungen. Mit seiner Darbietung konnte der Chor aber wiederum das Publikum mit seinem Können überzeugen und mit Recht stolz darauf sein. Die erwähnten Sängerinnen der Oper Erfurt und ihre Kollegen Mark Mönchgesang (Tenor) und Heiko Mauchel (Bass) stellten ihre langjährigen Erfahrungen unter Beweis und brachten sich gut in das Zusammenspiel von Orchester und Gesang ein, erzählten die Hirtengeschichte mit Sehnsucht nach Frieden und Vergebung, Freude und Glück.

Im anderthalbstündigen Konzert haben die klasse Leistungen des Kantorei-Chores und der vier Solisten im Zusammenspiel mit dem professionellen Orchester die Erwartungen der musikinteressierten Pößnecker nicht enttäuscht. Mit viel Beifall honorierten die Gäste die Kunst aller Mitwirkenden und dankten Kantor Hartmut Siebmanns, der einmal mehr sein Können als Orchester- und Chorleiter unter Beweis stellte. Dieser wiederum bedankte sich bei seinem Publikum mit einer Zugabe, dem Schlusschor aus dem "Oratorio de Noel" von Camille Saint-Saens. Mit langem Applaus und vielen Blumen sowie der mehrfachen Verbeugung des Ensembles vor seinem Publikum fand ein rundum gelungenes Adventskonzert seinen Abschluss. (Quelle: Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Pößneck)

G A L E R I E

Hier geht es zur Bildergalerie der Ostthüringer Zeitung. Impressionen vom Adventskonzert in der Pößnecker Stadtkirche. Fotos: Jörg-Uwe Jahn

Link: www.otz.de

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