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B E R I C H T E

16.07.2009
Von Verführungen und Versuchungen

1. Johannes 3,7: „Kinder, lasst euch von niemandem verführen! Wer recht tut, der ist gerecht, wie auch jener gerecht ist.“ Einleitend ging Apostel Wosnitzka auf die Anrede „Kinder …“, auf das Näheverhältnis und auf die Beziehung, die mit dieser Bezeichnung ausgedrückt wird, ein.

Anschließend wurden Beispiele angeführt, in denen Menschen in der Bibel Verführungen ausgesetzt waren, z. B.:

  • Adam und Eva erlagen der Verführung der Schlange, die Gottes Wort in Frage stellte.
  • Jesus widerstand den Versuchungen des Teufels. Dieser forderte ihn auf, aus Steinen Brot zu machen, um seinen Hunger zu stillen, von der Zinne des Tempels zu springen, um Gott zu versuchen oder ihn, den Teufel anzubeten um irdischer Reichtümer willen.
  • Josef widerstand den Verführungsversuchen der Frau des Potifars, des Herrn, dem er in Ägypten diente.

Sehr eindringlich mahnte Apostel Wosnitzka, sich nicht auch verführen zu lassen, wie Adam und Eva, sondern genau so standhaft zu bleiben wie Jesus und Josef.

Dabei hätte ich mir wenigstens ein paar Beispiele gewünscht, wie unauffällig und unbemerkt Satan in der heutigen Zeit verführt.

Sehr gut fand ich den Denkanstoß, den der Vorsteher der Gemeinde gab:
Wenn man sich von etwas verführen lässt, wird man demzufolge davon mitgerissen und begeistert. Man solle sich doch einfach anstatt zu etwas Ungutem zu etwas Gutem verführen, sich davon mitreißen und begeistern lassen. - Aber auch da fehlte mir etwas der Bezug zur Praxis.

Dieser Gottesdienst schreit also förmlich nach einer Nachbereitung, da man fast gezwungen ist, seinen Kopf selbst ein wenig anzustrengen und seinen Alltag mal nach versteckten Verführungen zu durchsuchen:

  • Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass jemand kommt und mich auffordert, vom Turm der Stadtkirche zu springen, um die Kraft und Zuverlässigkeit der Engel zu testen.

    ABER

  • Das mit Josef und der Frau des Potifars hingegen kann ich voll und ganz nachvollziehen. Die Versuchung durch das andere Geschlecht besteht häufig – auch in Gedanken.
  • Vielleicht erzähle ich gedankenlos irgendwelche Dinge über meinen Nächsten weiter ohne zu überprüfen, ob diese auch der Wahrheit entsprechen, und füge ihm dadurch gewollt oder ungewollt Schaden zu?
  • Vielleicht bin ich manchmal etwas neidisch auf meinen Nachbarn, weil dieser ein neues Auto fährt oder auf meine Kollegin, weil diese in „meiner Traumwohnung“ wohnt?
  • Vielleicht benutze ich ab und zu mal eine Notlüge, um mir beim Arbeitsamt, bei einem Versicherungsfall oder beim Finanzamt einen materiellen Vorteil zu verschaffen?
  • Vielleicht verschweige oder beschönige ich ab und zu mal Dinge, um an eine Gehaltserhöhung oder einen gut bezahlten Job zu kommen oder um Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen?
  • Vielleicht kopiere ich öfter mal meine Lieblings-CD, verschenke die Kopien an meine Freunde und denke gar nicht darüber nach, dass dies Betrug ist?
  • Vielleicht bin ich manchmal mächtig stolz auf mein Können, auf meinen Besitz, auf meine Fähigkeiten, auf mein Aussehen, auf mein Wissen und vergesse dabei, dass ich ohne Gott nichts wäre?

Man könnte die Aufzählung wahrscheinlich fast endlos fortsetzen.

Tja, die Sünde ist salonfähig geworden. Wer versucht, sie zu meiden, ist mittlerweile zum Außenseiter geworden.

Ach ja, da fällt mir noch ein – Jakobus 4,17: „Denn wer da weiß Gutes zu tun, und tut´s nicht, dem ist´s Sünde.“ Auch das ist Verführung – nämlich dazu, etwas Gutes aus Faulheit, Bequemlichkeit oder Ignoranz zu unterlassen. Das Thema „Sünde“ ist dann doch ein eher unerschöpfliches.

Der Gottesdienst hat auf jeden Fall dazu angeregt, Selbstkritik zu üben. Trotzdem würde ich mir mehr Aktualität und Praxisnähe wünschen, oder hat man Angst davor, dass „Moralpredigten“ schlecht ankommen? (az)

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