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O T T E S D I E N S T E |
05.12.2007
Ein „geistlicher Paukenschlag“ zu Beginn des ersten Kirchenjahres
Kirchenjahr? Für manchen neuapostolischen Christen ein unbekannter Begriff. Seit Anfang Dezember diesen Jahres hat die NAK das „Kirchenjahr“ auch für sich „entdeckt“. Ändert sich auch die Predigt? Man durfte gespannt sein.
Die Hauptpredigt in der neuapostolischen Kirchgemeinde in Halle an der Saale stand am ersten Sonntag im neuen Kirchenjahr, unter dem Bibelwort aus Kolosser 3,14: „Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“
Ungewohnt lange wartete Bezirksapostel Klingler mit dem Beginn seiner Predigt; der eindrucksvolle Vortrag des gemischten Chores mit der Orgel zeigte Wirkung: „Wachet auf ruft uns die Stimme“ F.M. Bartholdy hätte seine helle Freude an seiner Komposition gehabt. Bereits beim Eintreffen des Apostels hatten die Kinder im Foyer der Kirche mit ihrer musikalischen Begrüßung „Gott gibt dir einen Engel mit“ sein Herz gewonnen.
Er unterstrich dann gleich zu Beginn den Wert der Musik als ein von Gott gegebenes Geschenk und nannte inhaltlich Bezug nehmend auf das o.g. Chorlied aus dem Oratorium „Paulus“ einen für ihn interessanten Aspekt zum „Einschlafen“:
„Wenn man das Geschehen in Gethsemane in der Bibel nachliest, kommen die Jünger Jesu immer schlecht weg, weil sie ja einschliefen. Warum schliefen sie ein? Sie waren müde vor Traurigkeit.“
Der geistige Schlaf hat auch heute viele Ausdrucksformen: Mancher schläft mit „offenen Augen“, manche schlafen auch ein vor Leid und drückender Sorgen. Denen ruft der Apostel zu: „Wachet auf! Gott als dein Vater kommt zu dir und gibt dir seine Hilfe, seine Kraft, seinen Trost.“
Der Apostel zitiert Kolosser 3,12 :„So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld“ und ist begeistert über diese „herrliche Anrede“, die auch für uns heute gilt und er betont die genannten Eigenschaften, die dem Wesen Gottes, dem Wesen Christi entsprechen.
Doch „über allem aber zieht an die Liebe“ heißt es weiter und das ist für Apostel Klingler noch eine andere Qualität. „Die Liebe ist das Band der Vollkommenheit.“ „Ohne Liebe gibt es keine Vollendung im Werke Gottes“ so seine markante Predigtaussage.
Der Apostel sieht auch, wenn er den Blick auf so manche Gemeinde richtet, „Negativentwicklungen“, wo die Frage aufkommt: „Wie soll das nur weitergehen?“
Es gibt dann auch schnell mal die Meinung: „Da muss man mal so richtig dazwischen hauen, dann läuft das wieder.“ Hatte das damals Apostel Paulus im Sinn? Wohl kaum.
Apostel Klingler versucht die Problematik an einem Beispiel zu verdeutlichen: „Nimmt man ein dünnes Glasrohr und will es verformen - es zerbricht sehr schnell. Nimmt man eine sehr dicke Eisenstange - man schafft es nicht, sie mit den Händen zu verformen. Die Menschen gehen hier einen anderen Weg: Durch starkes Erhitzen lassen sich diese Stoffe verformen.“ Und so und nur so sieht Apostel Klingler die Einflussnahme in der Gemeinde. Nur durch Wärme lässt sich etwas ändern.
Er bezeichnet die Gemeinde als ein Gebäude, wo jedes Mitglied wie ein Naturstein ist: mit Ecken und Kanten, die auch mal verletzen können. Wie gehen wir damit um? Da sagt der Apostel einen bemerkenswerten Satz: „Wir haben kein Recht, bei dem Anderen die Ecken und Kanten abzuhauen. Keiner von uns hat den Anderen in die Gemeinde berufen - das hat Christus allein getan!“
Man kann die Natursteine übereinander stapeln, die halten auch so (bei entsprechender Größe). Das Gebäude hält. Doch wie ist das Klima innen? Zunächst gut. Doch mit der Zeit zieht der Wind durch die offenen Fugen und Ritzen und es wird kalt in der Gemeinde, sehr kalt. Was hilft dagegen?
Gott hat uns seine Liebe geschenkt, sie ist „in uns ausgegossen“; eine Liebe mit einer ganz anderen Dimension als beispielsweise die Liebe, der man in den kleinen Romanheftchen begegnet. Verwenden wir diese Liebe als einen Mörtel und schließen die Fugen, dann wird es warm in der Gemeinde, dann herrscht ein gutes Klima. „Alle eure Dinge lasset in der Liebe geschehen“ (1.Kor.16,14) - das ist das Hauptmotto.
An dieser Stelle hat sich vielleicht der Eine oder Andere gefragt: „Und wenn nun mein Bruder, meine Schwester nicht wollen?“ Der Umgang mit Konflikten blieb in der Predigt außen vor, aber es wurde deutlich: Da wo in der Gemeinde die Liebe als der Mörtel im Umgang mit den Ecken und Kanten des Anderen fehlt, wo das Wesen Christi nicht mehr erlebbar wird, hat Gott keine Chance zu wirken.
Ein weiterer „Predigtschwerpunkt“ von Apostel Klingler war : „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wer ist denn mein Nächster? Der Apostel versteht den „Nächsten“ als „den, der dich braucht; in deiner Familie, in deiner Gemeinde, in deiner Nachbarschaft, in deinem beruflichen Umfeld, in der Schule … Schau hin und hilf ihm wie der Samariter, schau nicht weg.“
Apostel Wosnitzka zeigt in seiner Co-Predigt den Sinn des „Kolosserwortes“ an einem sehr persönlichen Beispiel der letzten Tage auf: Unterwegs im Auto allein mit seiner kleinen Enkeltochter entstand ein Disput ... Das ging soweit, dass das Mädchen zu ihm sagte: „Ich habe dich nicht mehr lieb.“ Darauf kam seine Antwort: „Der Opa hat dich aber noch lieb.“ Dann Stille im Auto - 10 Minuten (?), scheinbar endlos. Plötzlich fängt das kleine Mädchen an zu weinen, so sehr, dass der Apostel anhalten musste, um es wieder beruhigen zu können. Dann die Reaktion: „Opa, wieder lieb haben.“
Geht es uns nicht auch so: Gott hat dich lieb; du darfst immer wieder zu ihm kommen, egal was war.
Diesen Gedanken griff Apostel Klingler in der Vorbereitung auf die Feier des Heiligen. Abendmahles nochmals auf. Christus hat Petrus, nachdem dieser ihn 3x verleugnet hatte („er hatte einfach Angst“) nicht fallen gelassen. Auf seine wiederkehrende Frage „Hast du mich lieb?“ hat Petrus ihm seine Liebe 3x bestätigt …
Noch so ein starker Satz von Apostel Klingler ist haften geblieben: „Gott hat seiner Liebe ein menschliches Gesicht gegeben: Jesus Christus.“ In Anlehnung an das bekanntes Bild „Das Abendmahl“ eines berühmten Malers stellt der Apostel ein paar Zeilen des gemeinsam gesungenen Liedes heraus: „Seht am Tische sitzt der Meister mit den Seinen! Welch ein Bild!“.
Wichtige Veränderungen im Kirchenbezirk standen nach der Versiegelung (der Taufe mit Heiligem Geist nach unserem neuapostolischen Verständnis) von mehreren kleinen Babys an: Bezirksevangelist Wolfgang Harkenthal wurde nach über 42jährigem Dienst als Amtsträger in der Kirche in den (verdienten) Ruhestand gesetzt. Der bisherige Evangelist Marco Fruend aus der Gemeinde Mücheln wurde als sein Nachfolger ordiniert. Priester Mario Matz wurde als neuer Vorsteher für Mücheln beauftragt.
Einen wiederum eindrucksvollen Schlusspunkt setzen Chor und Orgel mit dem Lied von H. Ober: „Gnade sie mit euch und Frieden von dem, der da war und der da ist und der da kommt.“ Der Bezirksapostel griff dies nochmals auf: „Jesus ist bei dir, wenn du ihn brauchst … Und er wird wiederkommen.“
Wer mich / uns ein wenig kennt weiß, dass wir keine „Apostel-Touristen“ sind. Familiäre Gründe und ein weites Herz unseres Gemeindeleiters haben es „gefügt“, dass wir am Beginn des Kirchenjahres einen Gottesdienst in Halle an der Saale erlebten, der diesen Namen wahrlich verdient hat; für mich / für uns ein „geistlicher Paukenschlag“, der lange nachHallen wird! (tr) |
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