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| D A S T E S T I M O N I U M |
Die Neuapostolische Kirche veröffentlicht eine Artikelserie zum Thema „Testimonium“. Sie gliedert sich in 5 Teile. Wir werden an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung anbieten und verlinken auf die Webseite der Neuapostolischen Kirche International zu wichtige Quellenschriften und mit Anmerkungen versehene Fassungen der jeweiligen Artikel. Der erste Beitrag beschäftigt sich mit den Vorläufern des „Großen Testimoniums“. Die nächsten beiden Folgen informieren über das „Große Testimonium“. Anschließend zeigen wir, wie die Katholisch-apostolische Kirche und später die Neuapostolische Kirche mit diesem Dokument umgingen.
Der erste Teil
Im Testimonium an den englischen König beklagt Apostel Spencer Perceval (1795-1859) das große Reformgesetz von 1832 als Abkehr von einer Regierung von Gottes Gnaden. Das Gesetz hatte erstmals seit dem Mittelalter den Kreis der Wahlberechtigten auf den Britischen Inseln (auf 7 statt zuvor 5 Prozent der Erwachsenen) erweitert. Die bestehenden Kirchen hätten versagt, einzig in einer neu unter Aposteln errichteten Kirche bereitet Gott eine Zuflucht vor den unmittelbar bevorstehenden Gerichten.
Zeitgleich erscheint eine gemeinsame Schrift des Apostelkollegiums an die Geistlichkeit der Anglikanischen Kirche. Zunächst wird diese Kirche gelobt, weil sie das ursprünglich von Gott gegebene Kirchenmodell am reinsten bewahrt habe. Allerdings, so die Autoren, sei auch sie von Gottes Ordnungen abgewichen. Künftig wolle Gott die Christen aus dem geistlichen Babylon in eine von Aposteln geleitete Kirche führen. Die Apostel, die die ursprünglichen Ordnungen der Kirche wiederherstellen würden, seien bereits ausgesondert, aber noch nicht ausgesandt. Sobald dies geschehe, sollten die Geistlichen ihre Herden in das Werk unter Aposteln führen. Nur so könnten sie den künftigen Gerichten entgehen.
Der zweite Teil
Das Große Testimonium wird von Apostel Cardale zusammengestellt und seit 1837 verteilt. Der Papst und der österreichische Kaiser erhalten das Dokument über Mittelsmänner, die geplante Übergabe an den französischen „Bürgerkönig“ Louis Philippe (1815-1830) gelingt nicht.
Die Autoren schreiben in der Überzeugung, dass sie die Merkmale einer Kirche nach dem willen Gottes aufzeigen können. Diese Kirche wurde in der Zeit der Urkirche zwar beschrieben, aber nicht realisiert, da schon die frühen Christen – zunächst die aus den Juden, dann auch die aus den Heiden gesammelten – das Wirken der Apostel behinderten. In einem richterlichen Akt nahm Gott schließlich das Apostelamt fort. Verfall der Lehre und Verlust der Einheit wie auch eine verminderte Wirksamkeit des Heiligen Geistes waren die Folge. Nur unter den von Gott eingesetzten Ämtern kann es Kirche im eigentlichen Sinn des Wortes geben.
Der dritte Teil
In diesem Artikel zum Großen Testimonium werden weitere Aussagen dieses Dokuments zusammengefasst.
Die Verfasser des Testimoniums verstehen die Taufe als Mitteilung des Heiligen Geistes zur Wiedergeburt. Sie erwarten eine künftige Geistspendung durch Handauflegung von Aposteln als Ergänzung und „Festigung“ der Wassertaufe. Es bleibt offen, ob das Apostelamt als dauerhaftes Amt gedacht wird oder ob in der Wiedererrichtung dieses Amtes ein einmaliges endzeitliches Ereignis kurz vor der Wiederkunft Christi gesehen wird. Die Lehre vom vierfachen Amt basiert auf einer sehr speziellen Auslegung von Epheser 4, 11 in Verbindung mit einer typologischen Deutung anderer biblischer Aussagen.
In der apostellosen Zeit wirken die verbliebenen Ämter in verminderter Kraft. Ihre Träger haben sich in der Zukunft zu entscheiden, ob sie den Aposteln folgen oder Diener des Antichrists werden wollen. Zuvor muss durch Apostel eine Kirche ohne „Flecken oder Runzel“ errichtet werden, die dem künftigen Antichrist widerstehen kann. Sie bildet die Zuflucht vor der großen Trübsal. Die Bischöfe sollen dann ihre Herden in diese Kirche führen. Die Aussagen bleiben für unterschiedliche Deutungen offen. Treue Christen sollen den bestehenden Obrigkeiten gehorsam bleiben, auch wenn diese mit der Anerkennung der Lehre von der Volkssouveränität die Legitimation ihrer Herrschaft selbst in Frage stellen. Der erwartete Untergang aller Obrigkeiten wird durch die Anhänger des Antichrists herbeigeführt.
Der vierte Teil
In diesem Artikel wird gezeigt, dass die „Hirten“ der Christenheit nicht auf das Große Testimonium reagierten. Dies konnte bedeuten, dass die Apostel ihre Pflicht getan und sie gewarnt hatten, in Zukunft aber berechtigt waren, eine eigene kirchliche Organisation aufzubauen.
Zunächst aber begann 1840 mit dem Verlust der zwölffachen Aposteleinheit eine Zeit der Krise. Apostel Drummond veränderte den Schlussteil des Testimoniums. Er hielt es 1843 für unmöglich, dass vor der Wiederkunft Christi noch eine Kirche unter Aposteln errichtet werden könne. Apostel Cardale hingegen verwendete Teile des Testimoniums, um ein Handbuch für eine Kirche unter Aposteln zu erstellen.
Nachdem 1847 die Versiegelung eingeführt worden war, wurde der Aufbau einer kirchlichen Organisation neu in Angriff genommen. Zunächst wurde dem Großen Testimonium keine große Bedeutung mehr beigemessen. Seit etwa 1860 wurde es wieder vermehrt beachtet und für die Evangelisation verwendet. Nicht die Führer der Christenheit, sondern einzelne Mitglieder ihrer Herden sollten fortan durch dieses Dokument vom göttlichen Auftrag der Apostel überzeugt werden.
Der fünfte Teil
In diesem letzten Teil der Serie über das Testimonium beleuchten wir den Umgang der Neuapostolischen Kirche mit diesem Dokument. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei einem stark veränderten Nachdruck, der 1932 unter dem Titel „Das Zeugnis der Apostel“ im Verlag Friedrich Bischoff erschien. Am Schluss des Artikels nehmen wir zu dem Vorwurf Stellung, dass die Neuapostolische Kirche das Große Testimonium gefälscht habe.
Copyright: Neuapostolischen Kirche International. Herausgeber ist die Arbeitsgruppe Geschichte der Neuapostolischen Kirche. |
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