|
|
 |
| A R C H I V B E R I C H T E 2 0 0 7 |
20.05.2007 Podiumsgespräch mit interessanten Ansätzen
Zum Podiumsgespräch am 18.05.2007 zum Thema „Ehe und Familie: In der Kirche – in der Gesellschaft“ kamen ca. 120 Besucher in die Hallenser Kirche. Die durch die Jugend gut organisierte Veranstaltung lässt hoffen, dass es weitere dieser Art gibt, auch wenn gerade zu diesem Thema der Altersdurchschnitt im Auditorium wesentlich höher war, als vielleicht erwartet. Am interessantesten war die anschließende Fragerunde des Auditoriums an das Podium.
Ausgangspunkte für die Veranstaltung waren - die Tatsache, dass einer rückläufigen Zahl an Eheschließungen eine steigende Zahl an Ehescheidungen gegenüber steht
- dass im Konkubinat lebende Amtsträger von ihrem Amt beurlaubt wurden
- dass über die konsequente Durchsetzung der in den öffentlichen Stellungnahmen verankerten Richtlinien zu diesem Thema Uneinigkeit herrscht.
Die Mitglieder im Podium waren Prof. Dr. Reinhold Sackmann, Institut für Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Apostel Rolf Wosnitzka, Neuapostolische Kirche Mitteldeutschland, Lothar Obereigner, seit 49 Jahren verheiratet, 4 Kinder, Sabine Fabig, seit 1 Woche verheiratet, Fabian Meyer, Moderator und Steffen Liebendörfer, Moderator.
Zu der Frage: „Welchen Einfluss hat die Kirche auf die Familie?“ meinte Prof. Dr. Sackmann, dass eine kirchliche Trauung die Ehestabilität erhöhe und laut empirischen Erhebungen nach religiösen Eheschließungen 0,25 Kinder mehr geboren werden.
Welche Folgen haben Normen? Prof. Dr. Sackmann geht hier von fehlbaren Menschen aus, weshalb sich Maßnahmen der Kirche gegenteilig auswirken könnten. Es wäre also keine Idealentwicklung zu erwarten. S. Fabig äußerte sich eingangs auf das Ziel der Ehe angesprochen, dass diese Stabilität vermittle, einen besonderen Segen beinhalte, ein öffentliches Bekenntnis dem Partner gegenüber darstelle – das Leben miteinander, nicht nebeneinander würde durch die Ehe bestätigt. L. Obereigner stellte, rückblickend auf die Zeit seiner Heirat, die Ehe als Nonplusultra heraus. Damals wäre Wertebildung hoch angesehen gewesen. Allerdings sei es bei jung Verheirateten ungleich schwerer, sich z.B. in Streitfragen zu einigen, da zwei Persönlichkeiten – zwei Anschauungen aufeinander träfen, was nach späterem Zusammenwachsen einfacher würde. Daraufhin meinte Prof. Dr. Sackmann, dass er nicht sagen könne, ob Christen Konflikte anders bewältigen als Nichtchristen. Ehe verstünde er als Rahmen – man suche weniger schnell nach Alternativen. Eine solche Bindung beinhalte aber auch Beschränkungen.
Konfessionsübergreifende Eheberatung in Anspruch nehmen Man animiere die Mitglieder zu eigenverantwortlichem Handeln, so Apostel Wosnitzka. Die Ehe könne jedoch nur durch die Beteiligten selbst gestaltet werden. Die Kirche könne Ratschläge erteilen, über Konflikte hinweghelfen, Seelsorger als Mentoren einsetzen oder entsprechende Literatur in Umlauf bringen. Auf keinen Fall seien Bevormundung oder Gängelei angebracht. Die Möglichkeiten der Neuapostolischen Kirche sind jedoch beschränkt, da keine eigenen Beratungsstellen existieren. Es könne aber professionelle konfessionsübergreifende Beratung durch die Katholische oder Evangelische Kirche empfohlen werden.
Verheiratet oder Zölibat? Zur Amtsträgersituation befragt, sprach Apostel Wosnitzka das Kriterium des Verheiratetseins bis vor einigen Jahren an. Dies könne nicht mehr aufrechterhalten werden, da sich inzwischen entsprechender Mitgliederschwund bemerkbar mache. Mittlerweile gäbe es auch unverheiratete Diakone und Priester. Es wäre ungleich schwieriger, ein Amt auszufüllen, wenn man nicht verheiratet sei. Eine Ehefrau bedeute ständige Unterstützung, Antrieb, Ermunterung, Mithilfe … Apostel Wosnitzka selbst kann sich nicht vorstellen, sein Amt ohne seine Frau auszufüllen.
Unklarheit beim Konkubinat Zum Thema Konkubinat befragt, definierte Apostel Wosnitzka dies als „Zusammenleben eines unverheirateten Mannes und einer unverheirateten Frau unter einem Dach mit eigener Haushaltsführung.“ Wirtschaftliche o. ä. Gründe wären nachvollziehbar und könnten unter Umständen toleriert werden. Dennoch favorisiere die Neuapostolische Kirche die Ehe, weil eine kirchliche Trauung mit einem besonderen Segen einherginge, wobei nicht feststünde, ob Partnerschaften ohne Trauschein nicht auch gesegnet sein können. Eine Beurlaubung erfolge deshalb, weil das Amt und die Glaubwürdigkeit des Betroffenen darunter litten. Im Anschluss zum Thema Konkubinat – eines der am häufigsten gestellten Fragen – stellte Apostel Wosnitzka klar, dass das Konkubinat nur für Amtsträger und nicht für Lehrkräfte gelte. Prof. Dr. Sackmann merkte an, dass Kirche für Menschen da sein und sich entwickeln müsse, dies aber unabhängig vom Staat.
Segen wichtiger als die persönliche Lebenssituation Auf die Frage ob ein unverheirateter Amtsträger glaubwürdiger als ein verheirateter ist, wenn dieser den Trausegen spendet meint S. Fabig dazu, dass die ausführende Person lediglich der Übermittler des Segens von Gott ist und damit zweitrangig sei, ob dieser unverheiratet ist oder im Konkubinat lebt.
Keine Unterschiede in der Zufriedenheit Ehe habe nicht wirklich Einfluss auf die Zufriedenheit eines Menschen, denkt S. Fabig auf die Frage ob ein Mensch zufriedener ist, wenn er verheiratet ist. Sie sei nur eine Bestätigung für ein Versprechen dem Partner gegenüber, dass schon vor einem längeren Zeitraum gegeben wurde. Laut empirischen Untersuchungen bestünde kaum eine Differenz auf der „Zufriedenheitsskala“ zwischen verheirateten und zusammenlebenden unverheirateten Paaren, wohl aber zwischen zusammenlebenden und allein lebenden Menschen oder zwischen Paaren mit und ohne Kinder, so Prof. Dr. Sackmann.
Heißes Eisen Abschließend wurde das Thema Mischehen, d. h. religions- bzw. konfessionsverschiedene Partnerschaften, angesprochen. Die Neuapostolische Kirche hat damit kein Problem, so Apostel Wosnitzka. Eine Segensspendung würde anerkannt, auch wenn diese in der Katholischen oder Evangelischen Kirche stattfände. Es macht wirklich keinen Sinn, den Segen nochmals von einem neuapostolischen Amtsträger spenden zu wollen. Der segnende ist Gott, die ausführende Person zweitrangig. Bei religionsverschiedenen Partnerschaften müsse im Vorfeld z.B. geklärt werden, wie die Erziehung der gemeinsamen Kinder erfolgen soll u.v.m.
„Im Endeffekt kann diese Veranstaltung als gelungener Auftakt zu einer Reihe weiterer Veranstaltungen dieser Art gewertet werden, auch wenn bei konkreten Fragen ausweichend geantwortet wurde, bzw. dadurch mehr Verwirrung gestiftet, als klargestellt wurde“, so Matthias Creutzberg aus Pößneck.Themen die sowohl aus kirchlicher als auch aus gesellschaftlicher Sicht aktuell und interessant sind, eignen sich hervorragend für Podiumsgespräche. Die anschließender Fragerunde durch das Auditorium macht das ganze noch interessanter. Andreas Martz aus Wünschendorf zeigte sich in der anschließenden Fragerunde verwundert, „dass bei der vor ca. 10 Jahren getroffenen Entschiedung unverheiratete ins Amt zu setzen, eher rückläufige Mitgliederzahlen eine Rolle gespielt haben, als theologische Gründe. Hier gibt Paulus schon einige Anregungen in der Bibel. Es wäre wünschenswert, wenn bei der offensichtlich aktuellen Beschäftigung mit dem Thema Konkubinat und Amt biblische Grundlagen eine größere Rolle spielen würden als demografische Größen, Mitgliederzufriedenheit oder Trends in der Gesellschaft.“ Darüber hinaus hat eine solche Veranstaltung noch den Vorteil, dass mit dem im Podium sitzenden Personen im Anschluß gesprochen werden kann. (az) |
 |
 |
|
|
 |