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| A R C H I V B E R I C H T E 2 0 0 7 |
29.10.2007 Zwischen Bonjour und Salut
Ein Jahr Vorfreude, die eigentlich lang und kurz zugleich war, dann ca. 700 km Fahrt und dann drei schnell der Vergangenheit angehörende Tage. Die freigesetzten Emotionen und die französische Herzlichkeit sind einfach nicht beschreibbar. Colmar, Festung Belfort, Rundfahrt durch das Unterelsass, Konzert und Gottesdienst in der Kirche in Mulhouse-Dornach – das waren einzelne Stationen der 3. Konzertreise vom 26.-28.10.2007 des Zentralchores und Orchesters der Neuapostolischen Kirche Sachsen/Thüringen.
Mehrere Treffpunkte in Sachsen und Thüringen bildeten die Ausgangspunkte der Reise. Freude und Anspannung war bei den Teilnehmern gleichermaßen zu spüren. Auf der einen Seite, dass die Mitglieder von Chor und Orchester endlich wieder einmal gemeinsame Tage verbringen konnten, dann die Vorfreunde auf unsere Mulhouser Schwestern und Brüder und die Frage, wie wird das Konzert gelingen? Ein erster gemeinsamer Zwischenstopp war auf der Autobahnraststätte Würzburg. Hier trafen sich die drei Busse, um gemeinsam weiterzufahren.
La Petite France und le Parlement européen Ein Zwischenstopp in Strasbourg lud ein zum Shoppen, einer Standrundführung mit Besichtigung des Münsters oder gemütlichen Bootstour auf der Ill, die sich im Stadtgebiet verzweigt. Das Münster welches 1439 mit dem Bau des nördlichen Turms (der südliche Turm wurde nie gebaut) fertiggestellt wurde, blieb bis 1874 das höchste Gebäude der Welt und gehört immer noch zu den höchsten Kirchtürmen der Welt. Auf der von beiden Ill-Armen umflossenen Grande Île liegt die historische Altstadt. Der Münsterplatz gehört zu den schönsten europäischen Stadtplätzen. Dominiert von der Westfassade des Münsters, stehen hier zahlreiche, teilweise vier- bis fünfgeschossige Fachwerkhäuser im alemannisch-süddeutschen Stil. Charakteristisch sind die steilen Dächer mit bis zu vier Dachgeschossen. An der Nordseite des Münsterplatzes steht das bekannte, reich verzierte Haus Kammerzell. Imposant und beeindruckend auch die Gebäude der Europäischen Union, welche man vom Boot aus bewundern konnte.
Evangelist Christophe Schuller mit seiner Frau Astride war schon am Hotel, um uns herzlich willkommen zu heißen. Wie froh waren wir, dass er da war und mitten in der Nacht Martin Künzel unseren Hornisten in Basel vom Bahnhof abholte – der Opfer des DB-Streikes wurde – und für Getränke sorgte, da im Hotel nichts zu erstehen war. Gegen 4:00 Uhr waren dann die letzten im Bett.
Ein herzliches Bonjour von unserer Annika, dann Crêpes und Baguette zum Frühstück und schnell noch ein Café au lait und ab in den Bus – aber in welchen? 2 Rundfahrten durch das Unterelsass mit Besichtigungen von Colmar und Eguisheim, sowie der Festung Belfort und der gleichnamigen Stadt standen auf dem Programm am Samstag Vormittag.
Tarte flambée bei La Krutenau Am Musée d'Unterlinden, das über eine große Sammlung bemerkenswerter Kunstwerke oberrheinischer Sakralkunst vom Mittelalter bis zur Renaissance verfügt, begann die Führung mit Thierry Fuchslock aus der Gemeinde Colmar und 2 weiteren Brüdern. Vorbei an bedeutenden Bürgerhäusern aus Mittelalter und Renaissance, die der Altstadt über die Jahrhunderte ihren mittelalterlichen Charakter erhalten haben, ging es zur Hauptkirche der Stadt – dem Martins-Münster – welches zwischen 1230 und 1370 in einem Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik erbaut wurde. In der im 13. Jahrhundert entstandenen Dominikanerkirche befindet sich das Gemälde „Madonna im Rosenhag“ von Martin Schongauer aus dem Jahr 1473. Prachtvollste Beispiele sind das 1537 für einen reichen Hutmacher erbaute Maison Pfister sowie das Maison des Têtes, dessen Fassade mit mehr als 100 „Köpfen“ verziert ist. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das am Fluss Lauch liegende Viertel Petite Venise, das sehr schöne Häuser und Brücken beherbergt. Hier nahm die Führung eine entscheidende Wendung und hatte weitreichende Auswirkungen. Eguisheim konnte nicht mehr besichtigt werden und wir erreichten das Hotel erst mit einer halben Stunde Verspätung. Zu groß war die Verführung im Restaurant La Krutenau durch einen spitzenmäßigen Elsässer Flammkuchen (elsässisch Flammekueche, franz. Tarte flambée = flambierter Kuchen/Torte) – dazu noch einen leckeren Wein
Monumentales am Trouée de Belfort Von Mulhouse ging es auf der Autoroute 36 zur Burgundischen Pforte, im Französischen „Trouée de Belfort“ (Nadelöhr) genannt. Die Festung Belfort, auf einer Erhebung mitten ins Tal gebaut, war eine fast uneinnehmbare Bastion, als die Habsburger sie 1648 nach dem Westfälischen Frieden an die Franzosen abtreten mussten. Die machten sich sofort daran, das starke Belfort noch weiter zu befestigen. Die monumentale Festungsanlage bot ein beeindruckendes Bild, wenn man nach oben blickte.
Begrüßt wurden wir von einem riesigen, aus Sandstein gemauerten Löwen, welcher an über 100 Tage dauernden Belagerung der Preußen erinnerte und von unserem Festungsführer Diakon José Navarro und dessen Dolmetscher Diakon Daniel Briche. Von nun an ging es bergauf. Ein nicht ganz einfacher Weg über Treppen, Stock und Stein, durch Tunnel und gewaltige Gräben führte uns immer weiter in die Festung. Geleitet von unseren französischen Freunden, welche uns viele Einzelheiten über die Stadt und die Festung zu berichten wussten, gelangten wir schließlich ins Innere. Oben hatte man einen herrlichen Rundumblick auf die Stadt und die Umgebung. Wieder auf dem Weg nach unten konnten wir es unseren französischen Freunden nicht abschlagen und stimmten für sie das eine oder andere Lied an, welche man sicherlich weit gehört hat.
Zum Schluss führte uns der Weg noch in die Kathedrale „Saint Christophe“. Ein bewegender Moment für die Anwesenden, als langsam, getragen und piano erklang: „Meine Seele ist stille zu Gott“. Die Töne klangen noch durch die Akustik nach und auch in den Herzen löste dies eine ganz besondere Stimmung aus …
Wetten dass …? Wette gewonnen – das galt für die beiden Busse die zur Festung Belfort gefahren waren – der andere lief außer Konkurrenz, da er erst fünf Minuten vor 14:00 Uhr am Hotel ankam, denn um 14:00 Uhr war die Abfahrt zur Kirche in Mulhouse angesetzt. Im Vorfeld war uns bekannt geworden, dass eine halbe Stunde viel zu kurz ist, um sich umzuziehen. Evangelist Christophe Schuller sagte bei der Planung zu Jürgen Gerisch dazu „dass kannst Du mit einem Franzosen nicht machen“. Naja einige waren schon nach zehn Minuten wieder im Bus.
Bonjour in der Kirche in Mulhouse Ein herzlicher Empfang durch die Jugend und der Geschwister von Mulhouse wurde uns bereitet. Nachdem die Instrumente zwischengelagert wurden, begrüßte uns Bezirksältester Willy Rothfeld und danach gab es erstmal ein gestaffeltes Mittagessen, u.a. bestehend aus leckeren Baguettes – erst das Orchester, dann der Chor und dann die mitreisenden Angehörigen. Nach dem Einsingen des Chores musste uns erstmal der Vorsteher der Gemeinde, Evangelist David Meier, noch kurz bei der Aussprache des Liedes „Welch ein Freund ist unser Jesus“ helfen, denn das Lied sollte in französischer Sprache am Sonntag im Gottesdienst gesungen werden.
Alles lobe seinen Namen – das Konzert Mit kleinen Änderungen wurde das Jubiläumskonzert „Alles lobe seinen Namen“, welches bereits am Sonntag, 30. September 2007 in der Georg-Friedrich-Händel-Halle in Halle aufgeführt wurde, vorgetragen. Einen detaillierten Bericht lesen Sie hier. Über 250 Besucher konnten in der Kirche in Mulhouse-Dornachdurch Priester Thierry Fuchslock begrüßt werden, deren Begeisterung am Ende des Konzertes dazu führte, dass nach dem verklingen des letzten Tones alle aufsprangen und mit stehenden Ovationen ihren Gefühlen freien Lauf ließen. Jetzt werden wohl die meisten Evangelist Christophe Schuller mit seiner Frau Astride verstehen, warum die „französischen Fans“ seid 2002 die 700 Kilometer nach Halle oder Leipzig zum Konzert fahren.
Wo ist nur die Rue de Metz? Eigentlich hatten wir uns das etwas anders vorgestellt. Der Hunger sollte schnell gestillt werden, aber das Restaurant Flunch in der Rue de Metz war einfach nicht zu finden, obwohl es gegenüber dem Tour de l’Europe liegt. Die Fahrt dorthin glich einer nächtlichen Stadtrundfahrt durch Mulhouse, der mit über 230.000 Einwohnern größten Stadt in Haut-Rhin. Sie liegt geographisch im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz. Nordwestlich der Stadt am Fuße der Vogesen liegt Thann, das südliche Tor zur elsässischen Route du vin und Mulhouse ist das Tor zum Sundgau im äußersten Süden des Elsass. Alles war vorbereitet – mussten doch ca. 160 Personen mit Hähnchen und Beilagen nach Wahl versorgt werden, dazu französischer Wein oder auch nur Wasser. Mit dabei unsere beiden Fans Astride und Christophe. Beide sagen kräftig mit, als das Happy Birthday gesungen wurde – gingen beide doch davon aus, dass wohl jemand aus dem Chor oder Orchester Geburtstag haben musste. Doch falsch gedacht. Die Spatzen pfiffen es vom Dach des Tour de l’Europe, dass Astride in den nächsten Tagen ihren 50. Geburtstag feiert und so kannte die Freunde keine Grenzen, als im Lied plötzlich von Astride gesungen wurde. Ein Küsschen rechts ein Küsschen links von Bärbel und Jürgen rundeten die ganze „Zeremonie“ ab. Dann hies es noch Unterschriften sammeln und ab in die Busse. Eine Karte zur Erinnerung an Bezirksapostel i.R. Fritz Nehrkorn – ein großer Förderer des Zentralchores und -orchesters – und an Karl Gerisch, der den Chor aufgebaut und maßgeblich geprägt hat.
Ergreifender Konzertgottesdienst am Sonntag Inmitten unserer Mulhouser Geschwister, die uns so vertraut waren, als würden wir uns schon Jahre kennen, erlebten wir einen sehr musikalischen Gottesdienst, bei dem auch die Predigt nicht zu kurz kam. Der Gottesdienst diente der Vorbereitung zum Gottesdienst für Entschlafene am 04.11.2007. Unter der Überschrift „Sei bereit zur Hilfe“ legte Bezirksältester Willy Rothfeld das Wort aus Hebräer 3, aus Vers 7 und 8 „Darum, wie der Heilige Geist spricht: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ der besondern Stunde zu Grunde. Ralf Franz, „unser“ Jürgen Gerisch und Evangelist David Meier – Vorsteher der Gemeinde Mulhouse – wurden zur Co-Predigt an den Altar gerufen und konnten ihrem Herzen „Luft machen“.
Au revoir Mulhouse Nach dem Gottesdienst gab es nicht enden wollende Verabschiedungszeremonien und Geschenküberreichungen und Evangelist Christophe Schuller wurde von Jürgen Gerisch zum Ehrenmitglied des Zentralchores ernannt. Er würde sogar Gesangsunterricht nehmen, nur um mitsingen zu dürfen, war aus seinem Mund zu hören. Ein Küsschen hier, ein Küsschen da und das ganze noch mal von vorn. Irgendwie wollte keiner heim – wir nicht und die Franzosen auch nicht. Erst die Hupe des Busfahrers riss uns aus dem französischen Traum bestehend aus unglaublicher Herzlichkeit, Zufriedenheit, Verbundenheit, emotionaler Ergriffenheit und Freigiebigkeit – der nicht geplatzt aber leider viel zu schnell zu Ende war. Eine Unmenge an Eindrücken wartet nun auf ihre Aufarbeitung. Au revoir Mulhouse (mc,kr,ak)
Bilderdownload als .rar-Datei 27.10.2007.rar (Größe der Datei: 15,9 MB)
Fotograf: Matthias Creutzberg, Alexander Krüger
Bemerkung: Die Videoclips werden noch veröffentlicht, ebenso Bilder vom Sonntag. |
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