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D O W N L O A D S
 
B E R I C H T E
05.01.2008
Gemeinsamer Jahreswechsel mit unserer Schwesterkirche

Für alle interessierten Geschwister der Neuapostolischen Kirche bot der 30.12.2007 eine gute Gelegenheit für einen Gottesdienstbesuch bei unserer Schwesterkirche, denn an diesem Tag fand in allen Gemeinden der Vereinigung apostolsicher Gemeinden der Jahresabschlussgottesdienst statt. In der eigenen Kirche wurde dadurch nichts versäumt, da an diesem Tag kein Gottesdienst war. Auch wir nutzten diese Möglichkeit und hielten in der Netzschkauer Kirche Rückblick auf das vergangene Jahr.

Aufgrund des Informationsabends vom 04.12.2007 waren wir von einer gewissen Bangigkeit erfüllt. Zwar konnten wir die Übertragung aus Zürich nicht selbst miterleben, haben aber dann die „Zusammenschau“ gelesen und kannten aus unserem persönlichen Umfeld auch die ersten Reaktionen. Desto erfreuter und erleichterter waren wir über die herzliche Begrüßung durch die Brüder und Geschwister der Netzschkauer Gemeinde. Wie wir feststellen konnten, waren außer uns noch weitere Geschwister aus der Neuapostolischen Kirche anwesend.

Der Amtsbruder, der den Gottesdienst leitete, erinnerte die Gemeinde in seinem Rückblick an einige besondere Ereignisse aus dem verflossenen Jahr, die für jeden Christen, der es mit seinem Glauben wirklich ernst meint, eine Herausforderung bedeutet. Folgerichtig wurde die berechtigte Frage gestellt, wie wir persönlich mit diesen herausfordernden Ereignissen umgehen wollen. Diese Frage muss jeder für sich beantworten. Es wurde aber auch betont, dass uns der Herr in seiner Gnade behilflich sein möchte, rechte Entscheidungen zu treffen. Dies ist für uns immer wieder tröstlich.

Ein ganz besonders bewegendes Zeugnis erfuhr die Gemeinde durch Geschwister aus der Neuapostolischen Kirche, die das Friedenslicht von Bethlehem mitgebracht hatten. Nach dem feierlichen Abstellen der Ampel mit dem brennenden Licht auf den Altarstufen der Kirche erläuterte der Bruder die Bedeutung dieses Lichtes und beschrieb dessen Weg, ausgehend von Jerusalem, wo es entzündet worden war, bis hin zu einer evangelischen Kirche im Vogtland. Dort haben die Geschwister der Neuapostolischen Kirche eine eigene Kerze an dem Licht entzündet und das so übernommene Friedenslicht nach Netzschkau in die Apostolische Kirche gebracht.

Angesichts der aktuellen Situation bei der Aufarbeitung unserer gemeinsamen Kirchengeschichte kann die Bedeutung dieses so persönlich gesetzten Zeichens von Frieden und Liebe nicht hoch genug geschätzt werden! Es hat unser Herz zutiefst bewegt!

Nach dem Gottesdienst waren alle noch in den kleinen Saal der Kirche zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dort kamen wir auch mit anderen Geschwistern der Neuapostolischen Kirche ins Gespräch, die im Vogtland ansässig sind. Sie berichteten uns von ihren ganz persönlichen und familiären Erfahrungen in Zusammenhang mit der zweiten großen Kirchenspaltung in den 50er Jahren. Mit Erschütterung vernahmen wir, dass damals bereits ein einziger, der Gebietskirchenleitung bekannt gewordener Gottesdienstbesuch von Geschwistern in der Reformiert-Apostolischen Gemeinde zu Berlin ausreichte, um ihnen den Ausschluss aus der Neuapostolischen Kirche zu erklären.

Auch den Neujahrsgottesdienst erlebten wir in der Gemeinde Netzschkau. Diesmal waren wir die einzigen Gäste aus der Neuapostolischen Kirche. Unter den Worten Jesu aus seinen Abschiedsreden: „… denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ (Johannes 14, aus Vers 19), die als Leitwort für den Gottesdienst dienten, wurde das Herz weit, und wir wurden ermutigt, mit Zuversicht in das Jahr 2008 zu blicken.

Nach dem Hauptteil der Predigt erging an mich die spontane Bitte nach einem Zeugnis. Unter dem Eindruck des Informationsabends und nicht zuletzt aufgrund des Erlebnisberichtes der Geschwister aus der regionalen neuapostolischen Gemeinde nach dem Jahresabschlussgottesdienst über das damalige Verhalten ihrer Kirchenleitung, die in dieser Familie Trennung und Herzeleid verursachten, fiel es mir nicht schwer, dieser Bitte nachzukommen.

In meinem Zeugnis habe ich mein persönliches Bedauern über Verlauf und Ergebnisse des Informationsabends vom 04.12.2007 ausgedrückt, insbesondere, dass die Vorgehensweise unserer Kirchenleitung in Zusammenhang mit der Aufarbeitung unserer Kirchengeschichte statt zu einer weiteren Annäherung nun dazu geführt hat, dass vorerst alle Türen zugeschlagen sind. Ich habe ferner die feste Absicht erklärt, meine Arbeit, Brücken im Geiste Jesu Christi zwischen unseren Geschwistern zu bauen, fortzusetzen, solange die Möglichkeit dafür besteht.

Ich bin zwar kein Historiker und kann daher nicht beurteilen, inwieweit beim Durcharbeiten der ausgetauschten Dokumente entweder nur einseitige Sichtweisen vorherrschend waren oder ob bestimmte Quellen möglicherweise keine oder keine ausreichende Würdigung erfahren haben. Was ich aber auf jeden Fall vermisst habe war ein Wort des Bedauerns darüber, dass durch die Spaltung der Kirche, bedingt durch die Ausschlüsse von Aposteln, Bischöfen und anderer Ämter, Tausende von Geschwistern, die nichts weiter taten, als ihren Brüdern, die sich auf das Fundament der Bibel berufen hatten, in Zuneigung verbunden zu bleiben, und durch die der Herr sie bis dahin segnen konnte, mit einem Mal ihre geistige Heimat verloren haben. Ein solches Wort des Bedauerns habe ich weder in der inzwischen veröffentlichten „Zusammenschau“ finden können, noch wurde mir dies von Teilnehmern des Informationsabends berichtet. Es wurde lediglich die Möglichkeit einer Entschuldigung in Aussicht gestellt, aber nur für den Fall, dass sich noch Dokumente finden, die ein solches Bedauern rechtfertigen würden. Da frage ich mich schon, welchen Stellenwert das Leid jener Geschwister im strategischen Konzept der Kirchenleitung eigentlich hatte.

In dem anschließenden Fürbitt-Gebet, war es für den von mir gesprochenen Teil deshalb ein Anliegen, darum zu bitten, dass der Herr den Weg unserer Kirche begleiten möge und bei allen, die in der Verantwortung stehen, auch einmal den Gedanken an die Notwendigkeit von Buße und Bedauern über das Leid vieler Geschwister aufkommen zu lassen, welches letztlich auch durch das Handeln damaliger Verantwortlicher unserer Kirche entstanden war. (Verfasser der Redaktion bekannt)
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