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07.03.2008 Auf Weg zur Minderheitenkirche Seminarfacharbeit zum Mitgliederschwund in der katholischen und evangelischen Kirche. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts müssen sowohl die römisch-katholische als auch die evangelische Kirche in der Region des heutigen Saale-Orla-Kreises einen Mitgliederschwund in Größenordnung hinnehmen.
Noch in den 50er Jahren konnte man bei der evangelischen Kirche von volkskirchlichen Verhältnissen sprechen. Damals war der überwiegende Teil der Bevölkerung evangelisch getauft und konfirmiert. Inzwischen muss man von einer Minderheitenkirche ausgehen, der weniger als 20 Prozent der Bevölkerung angehören. Ein ähnliches Bild bietet sich bei der römisch-katholischen Kirche, die im Vergleich zur evangelischen Glaubensrichtung seit der Reformation weniger Mitglieder zählt. Einen erheblichen Zuwachs gab es lediglich, als Flüchtlinge aus katholisch geprägten Gegenden wie Schlesien nach dem zweiten Weltkrieg in Pößneck und Umgebung eine neue Heimat fanden. „Für beide christlichen Kirchen stellt der Mitgliederschwund ein ernst zu nehmendes Problem dar, auch im Hinblick auf die Organisationsstrukturen“, schreiben die Schülerinnen des Neustädter Orlatal-Gymnasiums Stephanie Pfeifer und Winnie-Ampié Loria sowie Lydia Peters und Julia Seidel, die sich in ihrer Seminarfacharbeit mit den Ursachen der Mitgliederfluktuation in der katholischen bzw. in der evangelischen Kirchgemeinde Pößneck von 1990 bis 2006 beschäftigten.
In der katholischen Gemeinde fiel die Zahl von 1400 (8,52 Prozent der Einwohner Pößnecks) auf 692 Mitglieder (5,23 %). Für den rapiden Rückgang sorgten neben Sterbefällen und dem Wegzug von Mitgliedern in andere Regionen auch Kirchenaustritte, die vor allem kurz nach der politische Wende mit einer Anzahl von 172 ihren Höhepunkt erreichte. „Es ist zu vermuten, dass diese Personen bereits in der DDR kein Interesse mehr am kirchlichen Leben zeigten und sich später aufgrund der Aufarbeitung der Mitgliederkarteien für einen offiziellen Austritt entschieden“, schreiben Pfeifer und Loria. Die Mitglieder waren in der Befragung der Meinung, dass der Glaube in der modernen Gesellschaft an Bedeutung stetig verliert. Während des Zeitraums 1990 bis 2006 gab es 62 Taufen, drei Übertritte von der evangelischen Kirche und drei Wiedereintritte. Bei letzterem müsse ein Glaubegelübde vor der katholischen Gemeinde abgelegt werden.
Die Zahl der Protestanten der evangelischen Kirchgemeinde ging von 7040 (45,74 % der Einwohner Pößnecks) im Jahr 1994 auf 2186 (16,5 %) in 2006 zurück. Zu den Jahren 1990 bis 1993 seien im Archiv keine Angaben vermerkt. Ab 2001 stieg die Zahl der Wegzüge von Mitgliedern deutlich, die mit 91 im Jahr 2005 ihren Höhepunkt erreichte. Neben Sterbefällen sorgten auch Austritte für eine Verminderung der Mitgliederzahl. Waren es 1990 insgesamt 829 Menschen, die die evangelische Kirche verließen, ebbte diese Welle in den Folgejahren deutlich ab. „Die Austrittsmotivation ist altersabhängig, daher verlässt eher die jüngere Generation, aufgrund der Steuerersparnis, die Kirche“, schreiben Peters und Seidel. 1994 und 1995 gab es mit jeweils acht die höchste Anzahl von Wiedereintritten in die evangelische Kirchgemeinde, im Jahr 2006 mit 26 die meisten Taufen. (Quelle: Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Pößneck) |
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