16.08.2009
Ein Finanzbeamter auf Reisen – Frei nach Apg. 8, 26-40
Er war ein junger, einflussreicher, wohlhabender Mann im Finanzdienst, der sich trotzdem folgende Fragen stellte:
- Wofür stehe ich morgens auf?
- Würde jemand merken, bzw. was würde fehlen, wenn ich nicht mehr da wäre?
- Was bleibt von mir, wenn ich aus dem Leben gehe?
- Was kommt nach dem Tod? Kann man sich darauf vorbereiten? Wer kennt sich damit aus? Wen kann man fragen?
Er beschloss, sich auf den Weg zu machen und an einen heiligen Ort zu fahren.
Zunächst musste er noch Urlaub beantragen und ging deshalb zu seiner Chefin. Diese genehmigte großzügiger Weise soviel Zeit, wie er benötigte, und stattete ihn auch mit allem aus, was er für die beschwerliche und lange Reise brauchte, denn unser Finanzbeamter erzählte ihr davon, dass er nach Jerusalem reisen wolle – von Äthiopien aus immerhin eine Strecke von ca. 2.500 km – um Antworten auf die Fragen seines Lebens zu suchen.
Beeindruckt von der Stadt fragte er sich im Gewühl der Straßen und Gassen durch bis zum Tempel, wo ihm von einer Wache der Einlass verwehrt wurde. „Sind Sie Heide – Sie haben so ein schwarzes Gesicht?“ war eine der Fragen, die ihm gestellt wurden. „Ich bin Mensch – ich suche Gott!“ antwortete unser Finanzbeamter. Doch dies half ihm nichts. Er wurde abgewiesen und hatte damit vermeintlich gar keine Chance, das zu finden, was er suchte. Zugang zum Tempel hatten nur Priester und jüdische Männer und Frauen und zum Allerheiligsten sogar nur der Hohepriester einmal im Jahr. „Wie ich aussehe, wie ich lebe, wo ich herkomme, was ich denke – alles das scheint hier eine große Rolle zu spielen“ dachte sich unser Finanzbeamter und überlegte sich schon, was er zu Hause seiner Chefin und seinen Freunden erzählen sollte, wenn er mit leeren Händen zurückkehren würde.
Er schlenderte an den Souvenirbuden vor dem Tempel entlang und fragte einen Verkäufer, ob er denn etwas zu verkaufen hätte, was mit dem Allerheiligsten im Tempel zu tun hat. Er erstand daraufhin eine Schriftrolle, die er mit nicht sonderlich viel Elan zu studieren begann. Er las von jemandem, der alle Menschen liebte, so dass er störte, der total verachtet war, ausgelacht und verspottet wurde, den seine Freunde verließen, obwohl er liebevoll war, der unschuldig verurteilt und umgebracht wurde. Von wem war hier die Rede?
Plötzlich stand Philipp, Christ und Mitglied der ersten Gemeinde, vor seinem Wagen. Und dieser Philipp hatte Antworten auf die vielen Fragen, die unseren äthiopischen Finanzbeamten beschäftigten. „Dieser Mensch, von dem Du hier liest, ist JESUS. Er liebte auch, als es enger und lebensgefährlich wurde und ging den Menschen damit auf die Nerven. Er wurde vor die Stadt gejagt, also quasi rausgeschmissen.“ „Dann erging es ihm ja fast so wie mir“, dachte sich unser äthiopischer Freund und fand diesen Jesus irgendwie sympathisch. „Jesus, der sozusagen als unschuldiges Lamm geopfert wurde, ist jetzt auf dem Thron, denn Gott hat die ganze Zeit hinter ihm gestanden und nicht zugelassen, dass er im Tod bleibt“ – so erklärte Philipp weiter. „Ein Lamm auf dem Thron? Wäre ein Wolf nicht besser, beeindruckender?“ fragte der Äthiopier.
Jesus ist beeindruckend auf die Art eines Lammes. Er wirbt um uns und fasziniert uns damit. Er gewinnt uns, beseelt mit der Art eines Lammes, er sucht, hört, liebt, begnadigt, kennt, heiligt, beschenkt und befreit uns. Egal ob Heide, Jude, Sklave, freier Bürger, Mann, Frau, schwarz, weiß – du kannst einfach selbst zum Heiligen Gott kommen. Jesus ist die Tür – er hat mit seinem Opfer den Vorhang zum Allerheiligsten zerrissen! (cb,az) |