09.10.2009
Freiheit in Christus – Was ist das?
Manchmal scheint es, als ob ein Christ nur zustimmend lächeln darf, sonst aber keine lästigen Fragen stellen soll. Die Realität sieht in dem ein oder anderen Fall etwas anders aus. Lächeln = Fehlanzeige. Kritische Fragen = ja nicht. Die Bilder sprechen genau diese Sprache. Beklemmung, Unfreiheit usw. Freudige Gesichter sind eher selten zu finden, meist ist ein aufgesetztes falsches Lächeln erkennbar. Befreitsein in Christus sieht nun wirklich anders aus. Christus macht uns frei! Ein Stück von Jesu Freiheit ist die Freiheit des Denkens, die Glaubensfreiheit und die Freiheit in der Vergebung zu leben. Es ist schön, frei zu sein. :-)
Nachfolgende Gedanken beziehen sich nicht nur auf eine Kirche oder eine Gemeinde, sondern zeichnen ein Bild über allgemein anzutreffende Zustände in jeweils unterschiedlichen Ausprägungen.
Die meisten werden vielleicht sagen: Wie kann es sein, das lästige Fragen gestellt werden, etwas kritisiert wird, oder es Schwestern und Brüder gibt, die sich wehren. Hier kann dann die Frage gestellt werden, ob es sich bzw. um Machtmissbrauch handelt oder um Bevormundung. Reaktionen waren und sind immer mal wieder: „Wie kannst Du hier noch aktiv sein, wenn Du die Meinung des Vorstehers (oder höher auf der Leiter) nicht vertrittst?“ oder „Wie kannst Du so über den Gesalbten Gottes denken?“ Veränderung kann nur passieren, wenn geredet wird, ohne es gleich als lästige Fragen und Kritik zu verstehen.
Schoßhündchen bellen nicht. Schoßhündchen sind solche, die sich wunderbar an das System anpassen. Sie sitzen nicht nur da und präsentieren sich schön, denn sie haben eine klar definierte Aufgabe innerhalb des Systems (Exklusive Kirche oder Gemeinde) zu erfüllen. Sie halten beispielsweise mit viel Einsatz ihrem „Vorgesetzten“ den Rücken frei. Sie schützen ihn, wenn dieser kritisiert wird. Sie fassen Kritik gegen den „Leiter“ persönlich auf. Kurz gesagt: Trifft man den Vorgesetzten, dann trifft man auch sie. Interessant ist nur die Tatsache, wie schnell sich manche zu Schoßhündchen bspw. aufgrund von ökonomischen Zwängen wandeln (müssen) und wie andere kaltgestellt werden.
Früher oder später kommen immer mehr zu der Erkenntnis – Fragen die sich bestimmt schon so mancher gestellt habt: „Soll ich mich unterwerfen und einfach alles schlucken, oder soll ich zu meinen eigenen Überzeugungen und Empfindungen stehen?“ Oder anders: „Unterstelle ich mein eigenes Denken dem Dogmen der Kirche oder dem Denken des Leiters, oder folge ich der Freiheit des Denkens, die Gott uns gegeben hat?“ Im ersten Fall sage ich: Bleib wo Du bist und lass Dich weiter manipulieren. Im zweiten Fall ist es besser eine Entscheidung zu treffen. Viele gehen der Frage aus dem Weg. Sie entwickeln eine eigene Strategie, dank der sie weiterarbeiten können an ihrem „Liebeswerk“, ohne sich schlecht fühlen zu müssen angesichts dessen, was sich sonst noch um sie herum abspielt. Man sieht also vordergründig seine Gemeinde, die sozialen Beziehungen und Bindungen bzw. die gute Atmospähre, blendet aber bspw. die Dogmen der Kirche aus. Ob das wirklich gut geht? Auf alle Fälle werden sie dann leider zu verdeckten „Mitspielern“. Sie werden nicht mehr wirklich frei, einzigartig und lebhaft sein, weil die Wirklichkeit vor Ort anders oder nicht üblich ist. Aus Originalen werden Kopien. Man erwacht in der Regel erst wieder zum Leben, wenn man sich außerhalb befindet.
Am Anfang schrieb ich, dass man als Christ nur zustimmend lächeln darf, sonst aber keine lästigen Fragen stellen soll und ich bin in Gedanken etwas abgeglitten. Doch zurück. Alles zu schlucken, nicht kritisieren, nicht hinterfragen und nur zustimmend lächeln ist keine biblische Haltung.
Und die Schoßhündchen werden am lautesten heulen. Warum? Weil sie Vorteile im System hatten: Einfluss, Macht und Ansehen. Es hat sich schon vieles gewandelt, aber es ist immer wieder deutlich zwischen den Zeilen oder hinter vorgehaltener Hand zu hören:
Alles was wir – die Betonung liegt auf wir – früher aufgebaut haben, wird eingerissen und kaputt gemacht. Was wohl damit gemeint ist? Das jetzt all das erlaubt ist, was früher donnernd vom Altar als Sünde gepredigt wurde? Was verboten war und nicht mehr ist? Wie mit Brüdern und Schwestern umgegangen wurde, die nicht stromlinienförmig geglaubt haben? Die ausgegrenzt wurden? Die Folge ist: Eine Gemeinde nach der anderen wird geschlossen! Ein Ergebnis, eine Frucht aus dem Zyklus Saat und Ernte. Die Frage nach den wirklichen Gründen wird aber nicht gestellt, sondern denen zugeschrieben, die heute für Veränderungen in der Kirche bzw. Gemeinde eintreten, dabei liegen die Ursachen viel tiefer. Würde zu viel aus vergangenen Zeiten ans Tageslicht kommen?
Das alles zu schlucken, nicht kritisieren, nicht hinterfragen und nur zustimmend lächeln ist keine biblische Haltung. Und das lässt sich ganz einfach belegen: In Apostelgeschichte 17 wird ein positives Urteil über die Gemeinde in Beröa abgegeben. Sie hebt sich durch folgende Vorgehensweise hervor: Man hörte sich zwar die Worte des Paulus und Silas aufmerksam an. Doch die Menschen forschten täglich in der Schrift, ob es sich auch wirklich so verhielte. Einige wenige in Leitungsfunktionen die zu reinem Gehorsam aufrufen, ohne das sie ihre Worte und ihr Handeln überprüfen lassen wollen, tun dies nur, um ihre falschen Motive zu vertuschen. Siehe bspw. das Verbot von Gesprächs- und Bibelkreisen eines so genannten Apostels. Wenn sie wirklich von ihrer eigenen weißen Weste oder den Dogmen der Kirche überzeugt wären, dann würden sie jede Überprüfung willkommen heißen. Damit käme schließlich ihr tadelloser Wandel als Leiter zum Vorschein. Will heißen: Die in der Bibel lesenden Schwestern und Brüder würden feststellen, das es sich auch wirklich so verhält.
Die lernbegierigen Gläubigen in Beröa waren zwar kritisch, aber nicht zynisch oder abweisend. Sie waren dazu bereit eine Lektion zu lernen und diese auch in die Praxis umzusetzen. „Viele von ihnen begannen zu glauben, außer den Juden auch zahlreiche angesehene griechische Frauen und Männer.“ Um es kurz zu fassen: Ihre kritische Haltung, sogar gegenüber dem „großen Paulus“, war sicher keine Rebellion. Leider gibt es viele Leiter, die das nicht so wahrnehmen und solche für sie lästigen Menschen lieber aus ihrem Kreis ausschließen. Da lohnt sich u. a. ein Blick zurück in die Geschichte der Neuapostolischen Kirche.
Wenn wir nicht länger Fragen stellen dürfen, dann müssen bei uns sämtliche Alarmglocken läuten. Ein gottesfürchtiger Leiter wird bereit sein zu begründen, warum er die Dinge so tut, wie er sie tut. Bekommt man zu hören, dass ein Leiter „Gottes Willen“ ohne weitere Erklärung ausführt (und damit basta!), dann darf man vermuten, dass sein seelisches Rückgrat schon ziemlich schief gewachsen ist. Stichwort Absolutheitsanspruch. Die Bestimmtheit, mit der nicht ganz wenige vermitteln, dass sie die Wahrheit für sich gepachtet haben, ist sehr auffallend. Außerdem brechen sie ihren Gegnern und Andersdenkenden damit das Genick. Wenn sich jemand auf seine Autorität etwas einbildet, wird dies unvermeidlich zu einem Gefühl der Überlegenheit führen und zu einer Art Bevormundung, die für andere bedrückend, ja geradezu erstickend werden kann.
Ich gebe zu, dass das Thema heikel ist. Es gibt massenhaft Beispiele wie Schwestern und Brüder gegängelt wurden und alles mit dem legendären „Mantel der Liebe“ zugedeckt, totgeschwiegen und verleugnet wird. Das wissen wir durch eigene Erfahrungen, und aus Geschichten von zahlreichen Menschen, die uns ihr Leid geklagt haben.
Das Schlimme ist nur, dass das alles verleugnet wird und es keiner glaubt, nach dem Motto: Das gibt es nicht. Das kann nicht sein. Es werden diesbezüglich einem erst die Augen geöffnet, wenn man persönlich betroffen ist. Und sogar dann ist es immer noch schwierig, diesen Widerstand zu durchbrechen. Unter den Schwestern und Brüder, denen die Augen geöffnet wurden, weil sie direkt damit zu tun hatten, fürchten sich viele lange Zeit, ihren Mund aufzumachen. Sie schrecken zurück vor möglichen Vergeltungsaktionen, vor Unverständnis und darüber hinaus vor den vielen schmerzlichen Gefühlen, dies es in ihnen auslöst. Indem sie u.a. interne Abläufe, Begebenheiten oder Mißbrauch (geistlich/sexuell) nach außen kommunizieren, werden sie (zu Unrecht) vielfach als Täter gesehen, obwohl sie ja eigentlich Opfer sind. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ein Vater im Herrn wird im Gegensatz zu einem Manipulator oder Machtmenschen Deine persönliche Meinung und Deinen Willen immer respektieren und Dich nicht dazu zwingen, andere Standpunkte einzunehmen. Der, dem Du Dich unterwirfst, hat Autorität über Dich.
Eine Frage zum Schluss: Wenn Du Dich ganz ehrlich unter diesem Gesichtspunkt betrachtest: Wer bestimmt denn in diesem Moment Dein Leben? Nur Gott allein steht dieser Gehorsam zu. Nachfolge bezieht sich ausschließlich auf Jesus. Aber nicht auf einen christlichen Leiter und/oder einem System.
Innerhalb der Kirchen, ganz egal, wo auf der Welt, arbeiten und leben unzählige Schwestern und Brüder, die echte Mütter und Väter im Herrn sind. Mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Wissen, ihrer Weisheit und ihrem Charakter zeigen sie nicht nur Gottes Wesen, sondern auch Gottes Herz. Sie versprühen einen Duft aus Vertrauen, dank dem man sich selbst sein kann, sich entwickeln kann und sich akzeptiert fühlt, so dass man seinerseits wieder motiviert und inspiriert wird, mehr von Gott lernen zu wollen und dem Weg Jesu Christi von ganzem Herzen zu folgen.
Geh den Schritt in die Freiheit in Christus. Gib Acht auf die Wölfe im Schafspelz und konzentriere Dich völlig auf die echten Schafe. Deine innere Stimme wird sie Dir zeigen. Nur in der Nähe der richtigen Schafe und der wahrhaftigen Hirten (nicht der Mietlinge) bekommst Du den Freiraum für Deine eigenen Gaben, die Gott speziell Dir gegeben hat. Die richtigen Schafe stimulieren Dich, Deinen Platz in der Herde einzunehmen und Deine Beziehung zum guten Hirten blühen zu lassen. Herzlich willkommen in der Freiheit. (mc,jbtw)
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