|
 |
| Z U M N A C H D E N K E N |
Gebet eines unbekannten Soldaten
Sieh, oh Gott, ich habe dich niemals angeredet,
aber jetzt möchte ich dir guten Tag sagen.
Die Leute sagten zu mir, dass du gar nicht existierst.
Und wie ein Dummkopf habe ich dies alles geglaubt.
Gestern Abend sah ich aus einem Granatloch dein Himmelsgewölbe.
Ich schloss daraus, dass man mich angelogen hat.
Hätte ich mir Zeit genommen, um deine Werke anzusehen,
wäre ich von selbst darauf gekommen, dass man mir einen Bären aufband.
Ich möchte wissen, o Gott, ob du mir deine Hand reichen würdest.
Ein Gefühl sagt mir, dass du mich verstehst.
Sonderbar, ich musste an diesen höllischen Ort kommen,
Bevor ich Zeit hatte, dein Angesicht zu sehen.
Wohl, ich denke, da ist nicht mehr viel zu sagen,
Aber ich bin froh, dass ich dich heute traf.
Ich glaube, die Stunde des Angriffs wird bald schlagen.
Aber ich habe keine Angst, seit ich weiß, dass du mir nahe bist.
Ich höre das Signal. Wohl, o Gott, ich habe zu gehen.
Ich habe dich gern, das sollst du wissen.
Sieh, es wird einen harten Kampf geben.
Wer weiß, vielleicht komme ich zu deiner Wohnung diese Nacht.
Obgleich ich früher nicht sehr freundlich zur dir war,
Mache ich mir doch Gedanken, ob du mich an deiner Tür erwartest.
Sieh, ich weine, ich vergiesse Tränen!
Wohl. Ich habe jetzt zu gehen, Gott, auf Wiedersehen.
Sonderbar. Seit ich dich traf, habe ich keine Angst, zu dir zu kommen.
(Das Gebet wurde 1943 bei einem in Italien gefallenen Amerikaner gefunden. Als Verfasser wird angegeben: Francis Angermayer) |
 |
 |
|
|
 |