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Z U M   N A C H D E N K E N
19.10.2007
Glaube vs. Verstand?

„Im Gottesdienst gilt: Herz auf, Verstand zu – und in der Welt wollen wir es umgekehrt halten.“ So war es vor kurzem wieder Mal vom Altar zu vernehmen. Ist das ein Rat, der uns weiterhilft? Hindert der Verstand den Predigthörer am Glauben?

Dem Menschen wurde die Fähigkeit zur Erkenntnis geschenkt. Er ist in der Lage, neben der sichtbaren Schöpfung und ihren Gesetzmäßigkeiten auch sich selbst und seine Stellung innerhalb dieser Schöpfung zu erkennen.
Nicht möglich ist ihm hingegen, Gott in irgendeiner Weise zu begreifen. Weder seine Liebe noch seine Macht, weder seine Größe noch sein Wesen sind erfassbar - auch nicht im Ansatz.
Wir können uns nicht einmal einen „Überblick“ über die Existenz Gottes verschaffen; aber nicht nur deshalb, weil er so viel größer ist als wir, sondern weil es den Punkt nicht gibt, von wo aus er – der Höchste - überschaubar wäre!

Stößt hier der Verstand an seine Grenzen, kann der Glaube jedoch den Staffelstab übernehmen. Das ist möglich, weil beide – Verstand und Glaube – von Gott gegeben sind. Im Glauben führt der vom Verstand begonnene Weg weiter, und zwar in die gleiche Richtung. Es ist wichtig, das festzuhalten: Glaube und Verstand schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Sie sind Verbündete und keine Gegner und stehen deshalb auch nicht im Widerspruch zueinander. Zwei Beispiele sollen zeigen, wie Glaube und Verstand Hand in Hand arbeiten.

Ich kenne einen Mechaniker, der mir seit Jahren zuverlässig, geschickt und schnell mein Auto repariert. Noch nie wurde ich von ihm enttäuscht. Wenn er mir aber jetzt ein Zusatzgerät zum Einbau anböte, was die Motorleistung verdoppeln und den Kraftstoffverbrauch halbieren soll, dann würde ich das dankend ablehnen. Weil so ein Gerät technisch momentan nicht realisierbar ist, würde es mir nichts nützen, an die Fähigkeiten des Mechanikers zu glauben. Die Vernunft bewahrt mich davor, einen Glauben zu entwickeln, der enttäuscht würde.

Gott hat den Menschen im Laufe ihrer Geschichte schon vieles verheißen und anschließend erfüllt. Wir können daraus lernen: Auf Gottes Zusagen ist Verlass! Dabei spielt es keine Rolle, wie „unglaublich“ diese Verheißungen sind, denn der Glaube an die Allmacht Gottes lässt keinen Raum für Zweifel an seinen Möglichkeiten.
Ohne die Erfahrungen der Religionsgeschichte wäre es aber ungleich schwieriger, an das Eintreffen göttlicher Zusagen zu glauben. Indem Gott durch sein Verhalten deutlich gezeigt hat, dass wir ihm vertrauen können, hilft uns der Verstand dabei, den Glauben an die Erfüllung auf eine feste Grundlage zu stellen.

Natürlich muss man den Unterschied beachten zwischen dem Glauben an die Aussagen anderer Menschen und dem rückhaltlosen Vertrauen in die Allmacht und Güte Gottes, die uns niemals tiefer fallen lässt als in seine Hand! Die Prinzipien aber von Ursache und Wirkung, von Aussaat und Ernte, vom Handeln und seinen Folgen gelten in Lebens- und Glaubensangelegenheiten gleichermaßen - was wiederum durch den gemeinsamen göttlichen Ursprung jedem einleuchten wird.
Und doch geht der Glaube über eine bloße Wenn/Dann-Logik hinaus.
„Opfer bringt Segen“ stellt den Willen Gottes sehr verkürzt dar und rückt ihn in die Nähe der Berechenbarkeit. Ein unerschütterlicher Glaube an die Liebe Gottes hingegen lässt auch in schwersten Lebenslagen die Gewissheit regieren: ER führt alles wohl hinaus!

So möchte ich sie am liebsten mit Geschwistern vergleichen, die Erfahrung, die Erkenntnis, die Vernunft und den Glauben. Sie helfen sich, sie passen aufeinander auf und sie sind froh, sich zu haben.

Um nun meine Antwort auf die Titelfrage - Glaube versus Verstand? - zu geben: Nein! Der Glaube blicke auf das Ziel, der Verstand achte auf den Weg. Dann läuft es mit Sicherheit. (qd)
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