19.08.2009
„Ich schlief und träumte …
… das Leben wäre Freude. Ich erwachte und sah, das Leben ward Pflicht.
Ich handelte und siehe, die Pflicht ward Freude.“ (Rabindranath Tagore)
Diese Zeilen rufen in mir ganz bestimmte Erinnerungen wach, Kindheitserinnerungen
und auch ganz bestimmte Gefühle. Das Gefühl, Vertrauen haben zu dürfen, das Gefühl
des absoluten Unbekümmertseins, das Gefühl, mir kann nichts passieren, es gibt da ja jemand
(die Eltern) … Der Spruch, schlicht eingerahmt, hing bei uns im elterlichen Schlafzimmer und an manchem Sonntagmorgen, wenn wir als Kinder noch ein bisschen kuscheln durften, dann gab es nichts Schöneres für mich, als Geschichten vom Vater zu hören.
Oft zitierte er diese Worte und ich spürte ganz einfach, auch wenn ich den Sinn noch nicht richtig begriff, dass ich meinem Vater unbedingt vertrauen konnte. Er gab mir Mut.
Warum kommt mir das alles jetzt in den Sinn?
In diesem Jahr haben mein Mann und ich das erste Mal an der Allianzkonferenz in Bad Blankenburg teilgenommen. Gute Freunde aus Pößneck haben uns durch ihr begeistertes Erzählen neugierig gemacht. Wir hatten gar keine Vorstellung, was uns dort erwartet.
Ich war sogar etwas skeptisch, denn eigentlich bin ich von der Sorte „reservierter Christ“ und so vordergründige Begeisterung liegt mir eher nicht. Die einzige Begegnung, die ich hatte, war die mit Frau Monika Deitenbeck-Goseberg als sie einen Vortrag zum Frauenfrühstück hielt, „Mir steht das Wasser bis zum Hals – vom Umgang mit Sorgen“, nachzulesen in diesem sehr eindrucksvollen Bericht.
Da habe ich sozusagen Feuer gefangen, denn Frau Deitenbeck-Goseberg war eine von den
vielen interessanten Referenten der Allianzkonferenz.
Und was will ich nun sagen?
Jetzt, gut zwei Wochen nach der Allianzkonferenz, ist es immer noch schwierig für mich, die richtigen Worte zu finden, um meine Gefühle auszudrücken, weil es eine ganz neue Erfahrung war. Aber ich möchte auch gern von all’ den Begegnungen, von den Gesprächen über den Glauben und vor allem darüber, was „das mit mir gemacht hat“, berichten – und da erinnerte ich mich eben an dieses Zitat von Tagore aus meiner Kindheit. Genau so fühle ich mich, wenn ich an die Bibelarbeit, die Seminare, den gemeinsamen Abend unter Freunden zurück denke, total geborgen in Christus, mir kann nichts passieren! Egal wie viele Sorgen der Alltag bringt: dort habe ich gespürt, ich darf Christ unter Christen sein, das Leben mit ihnen macht mich froh! Allein, auch im Sinne von „allein meine Gemeinde“, „allein meine Kirche“, kann ich dieses Gefühl niemals bekommen, ich brauche das Verbundensein mit allen Christen, ganz stark!
In Jesus sind wir eins! Ich habe die Gemeinschaft Gleichberechtigter gespürt!
Nun habe ich viele Worte gemacht und ich fürchte, wenig gesagt. Wir haben einige Mitschnitte (CD’s) von der Konferenz geschenkt bekommen, ich sollte wohl auch inhaltlich etwas sagen, ich liebe eigentlich nicht diese Art von Berichten, die keinen „Inhalt“ haben …
In den letzten Tagen haben wir uns die verschiedenen Beiträge angehört und immer wieder zieht es uns dann in diesen Bann des „Frohseins“, des Lust am Christsein ohne Bangigkeit und ich denke, jeder, der jetzt auf mehr Inhalt wartet, kann das von mir nicht verlangen, man muss es selbst erleben! (Wie ich „Junge Christen“ kenne, haben sie bestimmt eine Idee, mehr Inhalte zu verbreiten.) Weil sie mir so gefallen, sie zeugen von christlichem Frohsinn und in gewisser Weise auch von dem „Geist“ der Allianzkonferenz, hier noch zwei Zitate von Christina Brudereck (Autorin, Lyrikerin, Theologin): „Kein Stern ist Gott schnuppe!“ – „Der Mensch heißt Kind, weil Gott die Eltern sind.“
Und „der Kämmerer zog seine Straße fröhlich“, bis zur nächsten Allianzkonferenz, wir freuen uns schon! (ev) |