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| Z U M N A C H D E N K E N |
18.09.2007
Was ist Heiligkeit? Gefühl oder Zustand?
Dieser Gedanke bewegt mich seit dem ich die ersten Kommentare zu unserem diesjährigen Jugendtag in Hannover gelesen habe. Diese fand ich, nebenbei bemerkt, teilweise ziemlich unheilig …
Ausgangspunkt dieser Diskussionen war der erstmalige Einsatz einer Band und NGL (Neue Geistliche Lieder) in einem Gottesdienst der Neuapostolischen Kirche. Stört eine Band, stört der Einsatz moderner Instrumente oder neuer geistlicher Lieder die Heiligkeit des Gottesdienstes? Was ist eigentlich „Gottesdienst“? Was ist Heiligkeit?
Zunächst sind wir uns, so denke ich, alle einig: Heilig ist allein Gott! Wir können uns eventuell zu einem Dienst für Gott heiligen, uns in den Dienst Gottes stellen. Heilig kann uns allein Gott machen und heil allein die Liebestat seines Sohnes.
Musik in der Bibel
David aber und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten. (1.Chronik 13)
Und als sie ihn mit der Lade Gottes aus dem Hause Abinadabs führten, der auf dem Hügel wohnte, und Achjo vor der Lade herging, tanzten David und ganz Israel vor dem HERRN her mit aller Macht im Reigen, mit Liedern, mit Harfen und Psaltern und Pauken und Schellen und Zimbeln. (2.Samuel 6)
Und David tanzte mit aller Macht vor dem HERRN her und war umgürtet mit einem bleinenen Priesterschurz. Und David mit dem ganzen Hause Israel führte die Lade des HERRN herauf mit Jauchzen und Posaunenschall.(2.Samuel 6)
Von Asaf, vorzusingen, auf der Gittit. Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs! Hebt an mit Psalmen und laßt hören die Pauken, liebliche Zithern und Harfen! Blaset am Neumond die Posaune, am Vollmond, am Tag unsres Festes! (Psalm 81)
Halleluja! Singet dem HERRN aein neues Lied; die Gemeinde der Heiligen soll ihn loben. Israel freue sich bseines Schöpfers, die Kinder Zions seien fröhlich über ihren König. Sie sollen loben seinen Namen im Reigen, mit Pauken und Harfen sollen sie ihm spielen.(Psalm 149)
Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seiner Macht! Lobet ihn für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit! Lobet ihn mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen! Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen! Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln! Alles, awas Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja! (Psalm 150)
Was sollen uns diese Zitate aus der Heiligen Schrift sagen? Dort wurde Gottesdienst mit Pauken und Trompeten (Entschuldigung, Posaunen) gefeiert. Hat da jemand gesagt, das würde die Heiligkeit stören? Musik für den gottesdienstlichen Rahmen wurde immer mit den zu der Zeit aktuellen Instrumenten gestaltet. Zur Zeit Davids mit Anderen als zur Zeit Jesu. Im Mittelalter wurden andere benutzt als im ausgehenden 18. Jahrhundert. Liegt es vielleicht mehr an unserer Gewöhnung und Prägung? Johann Sebastian Bach war zu seiner Zeit ein Rebell, was das betrifft. Warum wurde der Musikstil bei uns „eingefroren“?
Was verstehen wir unter Gottesdienst?
Wenn wir von Gottesdienst reden, meinen wir fast ausschließlich den reinen Predigt-Gottesdienst am Sonntag oder Mittwoch/Donnerstag. Aber ist das wirklich alles? Ist nicht vielmehr alles, was wir im Name Gottes oder für Gott machen, Gottesdienst? Mein Leben soll ein Gottesdienst, ein Dienst für Gott und Christus sein. Ist das wirklich immer so? Muss ich mich nicht vielmehr oft vor Jesus verstecken, weil das was ich denke oder tue, höre oder sage nicht vor IHM bestehen kann?
Ich bekomme regelmäßig Bauchschmerzen, wenn ich Geschwister sehe, die den Gottesdienst verlassen und die ach so heilige Musik loben, kaum im Auto sitzen und völlig „unheilige“ Musik hören. Der Gottesdienst ist ja vorbei und jetzt geht mein Privatleben wieder los. Auf das zitieren von Textausschnitten möchte ich hier verzichten. Aber es sind mitnichten „heilige“ Texte, die da über das Trommelfell inhaliert werden. Ich möchte auf keinen Fall jemanden wegen seines Musikgeschmacks angreifen oder verurteilen. Aber ist es wirklich authentisch, wenn ich einen Gottesdienst verlasse, den Schalter umlege und ganz anders lebe als ich vor fünf Minuten noch vorgegeben habe?
Unrein und unheilig
Jesus sagte, als die Pharisäer und Schriftgelehrten Unverständnis dafür äußerten, warum seine Jünger mit ungewaschenen Händen aßen: Es gibt nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, das ihn unrein machen könnte; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das ist's, was den Menschen unrein macht.(Markus 7, 15,16) Ich möchte hier die ungewaschenen Hände als den Rahmen, der nicht in die Vorstellung und Vorschriften der damaligen geistlichen Elite hineinpasste, bezeichnen. Übertragen wir das auf die Musik und Instrumente zur Umrahmung eines Gottesdienstes. Kann denn Musik oder ein spezielles Instrument die Heiligkeit stören? Ist es nicht vielmehr der Text, den ich sonst zu dieser Musik zu hören ist, den ich mit Unheiligkeit verbinde? Kann moderne, peppige Musik, die Texte, die zum Lobpreis Gottes gesungen werden, unheilig machen? Heiligt nicht vielmehr der Text die Musik und die Instrumente zum Dienst für Christus?
Das ist mir zu evangelisch, wir müssen uns nicht anbiedern …
Wenn ich solche Meinungen höre, dann läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Über Ökumene und Öffnung unserer Kirche möchte ich hier nicht anfangen zu schreiben. Was bitte schön ist „evangelisch“ oder wem biedern wir uns an, wenn wir nach moderneren Wegen suchen, Gott zu lobpreisen? Ich habe so das Gefühl, wenn wir diese Art Lobpreis vor anderen Konfessionen entdeckt hätten, dann wäre die Ablehnung nicht halb so stark. Darf ich schreiben, wie dann die meisten Kommentare ausfallen würden: „Haben wir nicht einen modernen Bezirksapostel? Hört euch mal die antiquierte Musik an, die sich die Evangelischen reinziehen müssen …“ Apropos, woher weiß von euch eigentlich jemand, wie es in der evangelischen Kirche oder anderen Konfessionen zugeht? Ihr wart doch nicht etwa … (Sorry, kleiner Scherz am Rande)
Worum geht’s uns?
Ich beobachte zu meinem Leidwesen oft, zu oft, das sich das Leben des persönlichen Glaubens auf die zwei, drei oder vier Stunden Gottesdienst, Singstunde, Jugendstunde oder Seniorennachmittag reduziert. Das reicht, nach meiner bescheidenen Meinung nicht, um das ewige Leben zu ergreifen.
Das ewige Leben ergreife ich, wenn ich Jesus nachfolge, so wie es auf dem Jugendtag klargestellt wurde. Wenn ich mich mühe, mein persönliches Leben auf Christus auszurichten und versuche seinen Auftrag zu erfüllen, mit der Kraft, die er mir dazu gegeben hat: An mir arbeiten und sein Evangelium verkündigen. Nach innen (in die eigene Kirche hinein) und nach außen, um andere Menschen für IHN zu gewinnen. Und wenn es nötig ist mit Pauken und Trompeten, oder E-Gitarre und Bass, oder Klavier und Schlagzeug. Das hat nichts mit Zeitgeist zu tun.
Zeitgeist sind die Texte und Inhalte die wir mit der Musik, die uns täglich in den Medien angeboten werden, aufnehmen. Das fängt bei Volksmusik an und hört bei Heavy Metal auf. Ist zumindest meine Meinung.
Was nun?
Danke, Bezirksapostel Klingler, das Jugendliche zum Jugendtag mit ihren Mitteln Gott und Jesus preisen und danken konnten. Bitte gib ihnen noch öfter und immer mehr, auch in den Gemeinden, die Gelegenheit dazu!
Das ist lebendiges Christentum wie vor 2000 Jahren, das ist authentisch, das begeistert und reißt mit. Das nenn ich heilig: wenn man freimütig seinen Herrn lobt und preist, wie man es am besten kann und keiner sagt: Das hat nichts im Gottesdienst zu suchen, weder gestern, noch heute, noch morgen.
Versöhnliches zum Schluss
Ich plädiere aber auf jeden Fall dafür, dass dies in den Gemeinden selbst entschieden werden muss. Es muss ein gesunder Mix gefunden werden, damit sich jeder einbringen und finden kann. Aber vielleicht sollte man doch noch einmal die Frage nach „Profilgemeinden“ aufgreifen, auch wenn Bezirksapostel Klingler in der Podiumsdiskussion in Hannover bekanntlich sagte: Haben wir die nicht schon? Sicher, einige wenige, aber reicht das aus? Ich wünsche mir mehr Unabhängigkeit der Gemeinden in der Frage der Gestaltung der Gottesdienste und mehr Gestaltungsspielraum für die Gemeindeleiter. Wie war das letztens in Ranis als der Beizirksapostel sagte: Nicht immer fragen, einfach ausprobieren und machen … Dürfen wir wirklich? Danke. |
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