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| Z U M N A C H D E N K E N |
13.11.2007
Wenn Gott den Dienstboteneingang nimmt!
Gott wirkt durch den Heiligen Geist in der Predigt im Gottesdienst. Dabei gibt er immer wieder die Fülle. Das Gefäß ist dabei zweitrangig. Er könnte auch durch einen Esel sprechen, wie es die Bibel berichtet. Und immer ist für jeden etwas dabei, solange man sein Herz nur weit genug öffnet, die nötige Aufmerksamkeit und Vorbereitung mitbringt.
Aber: Es gibt mittlerweile Seminare zur „gehaltvollen Predigt“; Stammapostel Fehr sagte einmal: es kann auch mal ein persönliches Wort des Dienenden in die geistgewirkte Predigt einfließen. Die „Vision Gemeinde 2010“ verankert sogar in ihrem 2. Punkt ein Kriterium für den Gottesdienst: „Christusnahe und erfahrungsreiche Gottesdienste“ (es wird meistens dann ein Ziel formuliert, wenn ein gewünschter Zustand noch NICHT erreicht wurde). Und dann die uns wohl allen sehr bekannte Formulierung: Der Heilige Geist kann nur dort etwas erwecken, wo etwas vorhanden ist.
Damit stehen wir vor einem scheinbaren Dilemma: Gott sagt uns zu, ihn persönlich in jedem Gottesdienst neu zu erleben. Gleichzeitig aber wird sein Handeln und Wirken durch zu wenig Vorbereitung und vorgefertigte Einstellungen und Denkweisen eingeschränkt.
Versetzen wir uns in die Rolle von Gott (nur was diese Situation angeht), so merken wir schnell, dass man unter hohem Erwartungsdruck (hervorgerufen durch die ständige Betonung des Wortes Gottes als das WICHTIGSTE Element des Glaubenslebens) und womöglich sehr schlechten Arbeitsbedingungen (schlechte Vorbereitung der Amtsträger mit vorgefertigten Meinungen und Einstellungen) ein glanzvolles Ergebnis abliefern muss (das persönliche Erleben des Wirken Gottes in jedem Gottesdienst), eine durch und durch göttliche Aufgabe.
Welche Umwege Gott dabei zu gehen hat soll das folgende Erlebnis etwas näher beleuchten:
In einem der letzten Gottesdienste lag das Grußwort des Stammapostels zu Pfingsten zu Grunde: „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Johannes, 14, 1
Nach einer fünfminütigen Einleitung des Dienstleiters über das Wort Gottes, und welchen Stellenwert es in unserem Leben haben soll (Erwartungshaltung) kam er schlussendlich zum vorgegeben Wort. Dabei lag die Betonung der Predigt auf dem ersten Teil: Erschrecke nicht! Man sollte auch in Problemsituationen immer wieder die Nähe Gottes suchen, denn er steht uns bei. Auch die Predigt eines mitdienenden Priesters, der mit Tränen in den Augen eingängig eine Situation in seinem Leben beschrieb, in welcher er in seiner Grundexistenz in Frage gestellt wurde, aber dann die Hilfe Gottes in wunderbarer Weise erleben durfte, betonte die Notwendigkeit der Gott-Mensch-Beziehung.
Um es kurz zu sagen: Das waren schon bewegende Worte, die zum Nachdenken anregen. Allerdings tun sie das nicht mehr, wenn man bereits den ganzen Monat zuvor mit der gleichen Problematik durch die Predigt angesprochen worden wäre (gehört vielleicht bereits zu den schlechten Arbeitsbedingungen).
Im zweiten Teil des Gottesdienstes ging es dann um den Glauben zu Gott (wohlbemerkt: „… glaubt an mich“ [Jesus] wird als dasselbe verstanden). Es sei unheimlich wichtig, diese tiefe Beziehung zu Gott zu suchen. Und wie macht man das am besten? Natürlich über die Amtsträger, die Leiter hinauf bis zum Stammapostel. Niemand der Brüder könne am Altar dienen, wenn er nicht das vollste Vertrauen hätte zu seinen Vorangängern, diesen blind nachfolgen würde. Vertrauen in das Apostelamt, das ist die Losung.
An dieser Stelle verselbständigten sich meine Gedanken (ohne die Aufmerksamkeit auf die Predigt zu verlieren). Wird hier nicht gerade der Ton mit dem Töpfer verwechselt? Das Werkzeug mit dem Meister? Wo ist Jesus und seine Funktion als Vorbild? Muss ich nicht zu Jesus diese intensive Beziehung aufbauen?
Die Antwort kam prompt in dem Lied der Sänger: „… ja, vertraue, nur vertraue … traue deinem (Singular) Helfer allein … traue Jesu nur allein!“ (Chormappe 163) Damit hatte Gott das für mich sehr schön klar gestellt.
Ein zweiter meiner Gedanken folgte beim Hören der Predigt: Wenn man hier den Glauben an Gott betonte, dann vergaß man den Glauben an Jesus („… glaubt an mich“), damit aber auch alles, wofür er gelebt und gestorben ist. Man vergaß die Handlung, die dem Glauben nachfolgt, nämlich die Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten. Die Liebe ist das Instrument, mit dem wir den Glauben umsetzen können, mit dessen Gewissheit uns aber auch nichts erschrecken kann!
Auch hier hüllte sich mein himmlischer Vater nicht in Schweigen. Die Antwort gaben die Sänger mit dem Lied …: „Wie selig ist's zu glauben!“ Gott zeigte erneut sein ganzes Können: Normalerweise würde nur eine Strophe gesungen: über den Glauben. Da aber die Kinder dieses Mal etwas langsamer von der Sonntagsschule wiederkamen, mussten wir die zweite Strophe zusätzlich anstimmen, in der es hieß: „Wie selig ist's zu lieben! Wer Jesum liebt ist reich … Ich liebe, ich liebe, ich liebe!“ (Chormappe 89)
Wenn das nicht schon genug die Wirkungsweise Gottes verbildlicht, so überzeugen noch einige Details am Nachmittag des besagten Sonntags. Mir kamen zum einen die Gedanken des Gottesdienstes zu Pfingsten in den Sinn, bei dem dieses Wort verwendet wurde. Dieser hatte aber grundsätzlich einen anderen Inhalt:
Und wenn es hier heißt: „Glaubt an den Herrn Jesus“, dann ist damit auch nicht nur gemeint, dass wir uns an die Tradition erinnern, sondern das bedeutet dann: Glaube an die „Gnade des Herrn“, glaube an die „erlösende Kraft“ des Gottessohnes, glaube doch an die „Verheißung: Er wird wiederkommen, um uns zu sich zu nehmen.“ Wo dieser Glaube in der Seele „brennt“, da bleibt man bewahrt, da kann uns nichts innerlich so erschüttern, dass wir nicht mehr klar sehen.
Wo der Heilige Geist wirkt, da drängt es einen ein Geist mit dem Herrn zu sein!
Ich muss in der Nächstenliebe wachsen. Wenn ich tatsächlich glaube, der Herr kommt heute oder morgen, muss ich immer größer in der Nächstenliebe werden. Es gibt für mich nichts Dringenderes, nichts Wichtigeres als meinen Nächsten mehr und mehr zu lieben. Und wenn ich das ehrlich so meine und innig darum kämpfe, dann merkt man das. Ich rede dann anders, ich handle anders und ich denke sogar ganz anders.
Mit diesem Gedanken machte sich erneut Dankbarkeit für die doch so geniale Wirkungsweise Gottes in mir breit.
Aber dem noch nicht genug: Aus einem speziellen und davon unabhängigem Grund druckte ich den Gottesdienstflyer aus der Gemeinde Pößneck aus. Dabei viel mein Blick auf das gesamte Kapitel des zugrundeliegenden Textwortes vom Gottesdienst am Morgen: „… Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich… Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater …“ (Johannes 14, aus 1-14)
Natürlich ist es immer wieder ein Erlebnis Gott auf diese Weise zu erfahren. Aber man kann natürlich auch jedes Mal durch den Kofferraum in sein Auto steigen, oder die Dachluke zu seinem Haus als Eingang verwenden. Es ist dennoch eine wunderbare Erfahrung zu sehen, dass Gott sich nicht zu fein ist, den Dienstboteneingang zu nehmen, wenn die Fronttür zugestellt ist. (as) |
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