H O M E
W I R   C H R I S T E N
J U G E N D A R B E I T
B E R I C H T E
V E R A N S T A L T U N G E N
K U R Z   N O T I E R T
K I R C H G E M E I N D E N
D O W N L O A D S
 
Z U M   N A C H D E N K E N
Ziel erreicht?

Geschafft. Die Mission war erfolgreich: Gäste besuchen den Gottesdienst. Und jetzt? Über das Gemeindeleben nach einem Gästegottesdienst …

Scheppern aus der Küche eröffnet das dreifache Amen, Kaffeegeruch wabert durch die Reihen, der Türdienst hat schon ein Kanapee in der Hand: Gästegottesdienst ist zu Ende. Aus dem Kirchenschiff strömt man in die Garderobe, wo ein reichhaltiges Buffet auf die Gottesdienstbesucher wartet. „Bringst du mir eine Frikadelle mit?“, fragt die junge Altsängerin. „Die Schwarzwälder ist übrigens von mir“, klingt es vom anderen Ende der Tafel. „Cool, da spar ich mir ja das Mittagessen.“ Die Studentenrunde nickt einstimmig. Ein Tenorsänger fängt an zu erzählen: „Mann, ich sag euch, gestern hab ich ne Frau gesehen, für die würd ich glatt sterben.“ Am benachbarten Stehtisch berichtet ein Bruder von seinem letzten Einkauf im Supermarkt: „Ich stand fast eine Viertelstunde an der Kasse an, und das nur, weil so eine alte Dame ihre Geldscheine nicht gefunden hat. Die hat vielleicht den ganzen Tag Zeit – aber ich nicht.“ Derweilen erhebt sich ein Wortgefecht am Salatbuffet. Schwester K und Schwester F diskutieren darüber, wer das beste Rezept für Kartoffelsalat hat. „Weiß jemand“, fragt Bruder T, während eine ältere Schwester seinen Teller weg räumt, „ob Gäste da waren heute?“ – „Ich hab gehört, dass zehn da gewesen sein sollen.“ – „Echt? Die hab ich gar nicht gesehen …“ Im Garderobenbereich um die Ecke ermahnt ein Diakon seinen diensthabenden Kollegen, weil der die Gäste ebenso übersehen hat, dreht sich um und stürmt energisch auf eine junge Frau zu. „Haben Sie schon unsere nformationsbroschüre …?“

Perspektivenwechsel
Die 30-jährige Frau besucht zum ersten Mal einen Gottesdienst der Neuapostolischen Kirche. In der Stadt hat sie ein Plakat mit dem Motto „Momente der Stille“ gesehen und spontan beschlossen zu kommen. „Toll, wie der Chor singt“, denkt sie sich beim Abschlusslied. „Und die Predigt fand ich richtig stark. Den Nächsten lieben, Gott an die erste Stelle setzen, Gemeinschaft pflegen, für andere Verständnis haben – das ist genau das, was ich oft im Leben vermisse. Diese Gemeinde scheint wirklich was Besonderes zu sein. Die Menschen leben hier noch nach dem Evangelium.“ Nachdem der Chor seinen Vortrag beendet hat, bleibt sie noch einen Moment nachdenklich sitzen. Gemeinde und Gäste sind jetzt zu einem Brunch eingeladen, das ist nett. In der Garderobe herrscht allerdings ohrenbetäubender Lärm. „Naja, mangelnde Geselligkeit kann man ihnen sicherlich nicht vorwerfen“, sagt die junge Frau zu sich.

Bis sie sich zum Buffet durchgekämpft hat, ist schon das meiste weg. Mit knurrendem Magen blickt sie um sich. Mit dem linken Ohr hört sie eine Frau sagen, dass sie am kommenden Dienstag einen Termin beim Frisör hat. „Wie bitte?“, tönt eine andere Stimme. „Liest du nicht den Mondkalender? Nächste Woche darfst du dir auf keinen Fall die Haare schneiden lassen!“ „Mondkalender? Ist das christlich?“ – Unvermittelt sieht sie sich umringt von vier Männern, die mit Broschüren wedeln und auf sie einreden. Perplex nimmt sie die Papiere. „Nein, ich …“ – „Ja, aber …“ – „Nun ja …“ Entnervt verspricht sie, nächsten Sonntag erneut in den Gottesdienst zu kommen. Und flüchtet. Drinnen notiert der Vorsteher zufrieden im Gemeindebuch: zehn Gäste.

Draußen vor der Türe sieht die junge Frau, dass sie dreimal dieselbe Broschüre in der Hand hält. (Mit freundlicher Genehmigung der spirit-Redaktion. Quelle: Artikel aus der spirit 04/06.)
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